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Verliert Wolfram Weimer den Auftrag für den „Bayernkurier“?

Wenn die Kanzlerin einem ihrer Minister das Vertrauen ausspricht, gar ihr vollstes, weiß jeder: Sein Ende naht. Was aber bedeutet es, wenn Horst Seehofer den „Bayernkurier“ über den Klee lobt? Von Ulrike Simon

Gerade einmal ein Jahr ist es her, dass Wolfram Weimer den Zuschlag für das Parteiblatt „Bayernkurier“ erhielt, über das Edmund Stoiber einst gesagt hat, es gehöre zum Markenkern der CSU. Aus der defizitären „Deutschen Wochenzeitung für Politik, Wirtschaft und Kultur“ wollte Weimer ein „Debatten- und Kulturmagazin für Bayern“ machen, inklusive Online-Auftritt. Mit der Sonderausgabe zum 100. Geburtstag der Partei-Ikone Franz Josef Strauß sollte es neu durchstarten. CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer versprach sich von Weimers Konzept „eine gewisse Spritzigkeit“. Als Chefredakteur wurde ein Moderator vom – woher sonst – Bayerischen Rundfunk geholt: Marc Sauber. Im Februar dieses Jahres trat er seinen Dienst an. Produziert wird das Monatsmagazin seither auf teurem Hochglanzpapier.

Nur zehn Monate später erreicht mich das Gerücht, Weimer verliere den Auftrag schon wieder. Konkret: Seine Weimer Media Group. Das Unternehmen hat der frühere „Welt“-Chefredakteur und „Cicero“-Gründer aufgebaut, nachdem er als vermeintlicher Retter des Burda-Magazins „Focus“ gescheitert war. Da er aber nun schon mal von Potsdam, wo er verlegerwitwen- und konzernchefnah seit seiner Zeit bei der „Welt“ gelebt hatte, an den Tegernsee gezogen war, wo ihm das wiederum verlegernahe Wohnen auch nicht weiterhalf, blieb er in Bayern. Er kaufte sich ein eigenes Medienunternehmen zusammen. Ach was, ein Imperium! Zumindest, wenn man seinen Worten Glauben schenken wollte.

Wer Weimer kennt, weiß: Schein kommt bei ihm vor Sein. Seine früheren Arbeitgeber und Kollegen bei FAZ, Springer, Ringier und Burda wissen ein Lied davon zu singen. Jetzt ist Weimer sein eigener Verleger, beziehungsweise Publisher, oder, um es mit seinen Worten zu sagen: Er ist „einer der größten Online-Publisher Deutschlands“. In der Selbstdarstellung nennt er die Weimer Media Group ein „Verlagshaus mit Sitz in München, das sich auf anspruchsvollen Wirtschaftsjournalismus spezialisiert hat. Der Verlag umfasst ein Dutzend Medienmarken – vom klassischen Buch bis zu elektronischen Hybridmedien“. Der „European“ gehört seit diesem Jahr ebenfalls dazu. Auch das ein Magazin mit mehr Schein als Sein. Insofern passt es gut ins Portfolio der Dabbelju-Äm-Dschi, wie sich die Weimer Media Group abkürzt.

Die Redaktion der WMG macht alles, was anfällt, es wird nicht groß getrennt, auch den „Bayernkurier“ macht sie nebenbei. Viel zu tun hat das Blatt allerdings nicht mehr mit dem, was es unter Strauß einmal war und teilweise noch unter Wilfried Scharnagl, über den FJS gesagt hat: „Er schreibt, was ich denke, und ich denke, was er schreibt“.

Vor dem Aus stand der 1950 gegründete „Bayernkurier“ immer wieder: 2000, 2003, zuletzt 2010. Immer ging es um die hohen Kosten für das immer weniger gelesene Blatt. Die Zweifel wuchsen, ob der Parteizuschuss in angeblich siebenstelliger Höhe in einem überhaupt irgendwie vertretbaren Verhältnis zum verbliebenen Nutzen steht. Horst Seehofer wird also seine Gründe gehabt haben, den „Bayernkurier“ jüngst beim Parteitag reichlich über den Klee zu loben, wie Teilnehmer berichten.

Steht womöglich nicht nur Weimers lukrativer Auftrag, sondern gar die Existenz des „Bayernkurier“ auf der Kippe?

Weimer war auf Anfrage im Ausland und nicht zu erreichen. Die CSU, gerade im Umzugsstress vom maroden Sitz in der Nymphenburger Straße in eine schicke, neue Partzeizentrale nach Schwabing, ließ sich mit ihrer Antwort viel Zeit. Nach mehrfachem Nachhaken reagierte sie schließlich doch noch. Meine Fragen wimmelte sie mit einem einzigen Satz ab: „Dabei geht es um Interna unseres Geschäftsbetriebes, zu denen wir keine Auskunft geben“. Sie hätte auch mitteilen können, dass Weimer selbstverständlich weiter den Auftrag hat. Tat sie aber nicht.

Aus dem Umfeld der Redaktion erhielt ich die Bestätigung: „Ja, der Vertrag ist in der Schwebe“.