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Google: Was ist eigentlich aus der Digital News Initiative geworden?

Fünf Monate sind seit der Ankündigung vergangen. Viel davon gehört hat man seither nicht. Höchste Zeit, mal bei den Beteiligten nachzufragen. Von Ulrike Simon

Acht europäische Verlage, darunter aus Deutschland die der „Zeit“ und der FAZ waren die Initiatoren der Digital News Initiative, die Google im April dieses Jahres angekündigt hat. Kaum war die Nachricht publik, schlossen sich dem Projekt weitere an, hierzulande der „Spiegel“, die „Neue Osnabrücker Zeitung“, der „Tagesspiegel“, die „Süddeutsche“ und Bauer. Kritiker sprachen von einem „faustischen Pakt“. Mancher, darunter der gerade wiedergewählte ZDF-Intendant Thomas Bellut, vermutete einen Zusammenhang mit der Klage wegen des Leistungsschutzrechts. Inzwischen ist der Schiedsspruch ergangen. Kommentiert hat ihn ein Google-Sprecher mit den Worten, man werde weiterhin „gern mit den Verlagen“ arbeiten, um „Leser zu ihren Artikeln zu leiten, ihre Marken online zu stärken und digitalen Journalismus zu fördern“.

Auch in der Ankündigung zur DNI hieß es, Ziel sei, „qualitativ hochwertigen Journalismus in Europa durch Technologie und Innovation zu fördern“ – und zwar auf drei Wegen: erstens durch entsprechende Produktentwicklungen, zweitens durch einen auf drei Jahre angelegten Förderfonds von 150 Millionen Euro, drittens durch Forschung, Aus- und Weiterbildung.

Auf meine Frage bei den beteiligten Verlagen, was sich denn seither getan habe, mäanderten die Antworten zwischen „nix!“, „da ruckelt’s noch“ und „fragen Sie Google“. Einer sprach von einem „closed shop“ der acht Gründungsverlage, ein anderer hatte den Eindruck, Google habe es wohl im Frühjahr mit der Ankündigung sehr eilig gehabt.

Mitte Oktober jedenfalls, erfuhr ich, wird es in Frankfurt ein Treffen geben, bei dem erstmals auch der erweiterte Kreis der teilnehmenden Verlage über die Pläne der DNI informiert werden soll. Wenige Tage danach, bei den Medientagen in München, will Googles Europa-Manager Carlo D’Asaro Biondo seinen Auftritt nutzen, um mitzuteilen, was es mit dem Förderfonds auf sich hat. Wer soll sich für welche Art von Projekt nach welchen Kriterien für wie viel Geld bewerben können – und vor allem: Wer entscheidet das?

Etwas mehr Klarheit gibt es in Sachen Produktentwicklung. Drei Projekte haben sich herauskristallisiert: Das eine zielt darauf ab, unabhängige Nachrichtenseiten vor fremden Attacken zu schützen (Projekt Shields), das andere, vertrauenswürdigen Journalismus durch bestimmte Parameter hervorzuheben (Projekt Trust). Zudem soll es eine Google-Variante von Facebooks Instant Articles geben. Das alles scheint aber noch im Anfangsstadium zu stecken. Konkreteres zu berichten gibt es von der dritten DNI-Säule, der Forschung, Aus- und Weiterbildung. Darunter zählen der bereits veröffentliche Digital News Report von Reuters, eine Untersuchung zu Trends beim digitalen Konsum von Nachrichten sowie jenes sogenannte Newslab, dessen Leiterin Isabell Sonnenfeld am 1. Oktober ihren ersten Arbeitstag hat. Sie soll sich um Workshops rund um Datenjournalismus kümmern und dabei auch Verlage beraten.

Bisher keine Rede ist davon, wie Medienunternehmen mit Programmen umgehen sollen, die Werbung blockieren und dadurch Einnahmeverluste verursachen. Dabei müssten sie in dieser Hinsicht mit Google an einem Strang ziehen. Gerade hat Apple mit seinem neuen Betriebssystem iOS 9 nicht nur die Suchmöglichkeiten verbessert, sondern lässt auch Adblocker zu. Einer der Verlagsvertreter ist daher überzeugt, Google suche wahrlich nicht aus karitativem Antrieb den Kontakt zu Journalisten und Verlagen. Google gehe es darum, die eigene Position als größter Anbieter mobiler Browser-Werbung zu verteidigen.