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Heute turnt ARD-Programmchef Volker Herres beim RBB vor

Probehalber hat die Findungskommission abgestimmt, wer als RBB-Intendant infrage käme. Martin Hoffmann nicht. Susanne Pfab wohl auch nicht. Theo Koll unterlag Patricia Schlesinger 2:7. Von Ulrike Simon

Zwei Wochen lang habe ich Theo Koll hinterhertelefoniert. Der aus seiner Zeit als London-Korrespondent und „Frontal-21“-Moderator bekannte Leiter des Pariser ZDF-Studios war mir als möglicher Interessent für den Intendantenposten beim RBB genannt worden. Also rief ich Koll in seinem Pariser Büro an, auf dem Handy, sprach ihm auf die Mailbox, wartete, probierte es erneut – vergeblich. Schließlich las ich in der „Süddeutschen Zeitung“, dass er als Nachfolger von Intendantin Dagmar Reim im Gespräch sein soll. Künstlerpech.

Mir bleibt nur zu ergänzen: Der 58-Jährige soll nicht nur im Gespräch sein, er ist es. Sogar vorgeturnt hat er schon, wurde also von der Findungskommission zum persönlichen Gespräch eingeladen, um sich und seine Ideen zu präsentieren. Glückwunsch also an die „Süddeutsche“, die den Namen Theo Koll als Erste öffentlich gemacht hat. Sie hat sich damit jedenfalls informierter gezeigt als der Berliner „Tagesspiegel“, der sich beim Redaktionsnetzwerk Deutschland hier und da gerne ohne Quellenangabe bedient, es dann aber doch schafft, mindestens zwei Fehler einzubauen: indem er Namen nennt, die nie im Rennen waren oder längst aus dem Rennen sind, oder indem er behauptet, vor Ostern werde in der Sache nichts mehr passieren. Von wegen!

Inzwischen hat nämlich nicht nur Theo Koll vorgeturnt, sondern auch die von mir als Favoritin eingeführte NDR-Frau Patricia Schlesinger und der bisher noch nirgends als Name aufgetauchte Martin Hoffmann – der allerdings gleich wieder aus dem Rennen war und den kurzfristig anberaumten Termin bei der Findungskommission wohl ohnehin nicht ernst genommen hat. (Der einstige Geschäftsführer von Sat.1, als Sat.1 noch ein ambitionierter Fernsehsender war, liebäugelt nach Ablauf seines Vertrags als Intendant der Berliner Philharmoniker im August 2017 offensichtlich immer noch mit der Medienbranche…)

Und was ist mit ARD-Generalsekretärin Susanne Pfab, die ich immer wieder genannt habe, wenngleich mit dem Hinweis, dass die Juristin weder journalistische noch Programmerfahrung hat? Für sie sind die Chancen deutlich gesunken, was schon daran zu erkennen ist, dass die Findungskommission sie nicht eingeladen hat. Anders als Volker Herres, das Schwergewicht der ARD.

Wer dem Programmdirektor des Ersten heute in Berlin über den Weg laufen sollte, kann ihn ja fragen, wie es war (und es mir danach gerne weitererzählen). Herres hat seinen Vorturn-Termin bei der Findungskommission des RBB-Rundfunkrats nämlich am heutigen Donnerstag.

Volker Herres

Volker Herres // Bild: ARD/WDR/Herby Sachs

Kurzum: Die möglichen Kandidaten für die RBB-Intendanz heißen, Stand heute, Schlesinger, Koll und Herres – wobei die Vorschlagliste erst nach Herres‘ Auftritt erstellt und an die Mitglieder des Rundfunkrats gehen wird.

Aber was heißt das nun alles? In einer Probeabstimmung vor zwei Wochen hat die Findungskommission deutliche Sympathien für Schlesinger gezeigt. Die 54-Jährige, die beim NDR den Programmbereich Kultur und Dokumentation leitet, erhielt von den neun Anwesenden der insgesamt zehnköpfigen Kommission sieben Stimmen. Nur zwei gingen an Koll, was nicht heißt, dass er keine Chancen hätte, schließlich wählt am 7. April nicht die Findungskommission, sondern der gesamte Rundfunkrat. Da kann es schon wieder ganz anders aussehen. Um Intendant zu werden, bedarf es in dem 29-köpfigen Gremium einer Zweidrittel-Mehrheit, also mindestens 20 Stimmen.

Und dann ist da noch Volker Herres, den einige in der ARD gerne vor Ablauf seines im Herbst 2018 endenden Vertrags an den RBB loswürden und der mit seinen 58 Jahren selbst wechselwillig wäre. Ein Versorgungsfall als RBB-Intendant? Für Herres ist die Kandidatur am riskantesten. Andererseits: Hätte Koll gegen Herres eine Chance? Würde Schlesinger gegen Herres antreten?

Schlesinger scheint sich seit Bekanntwerden ihrer Ambitionen ohnehin Horrorgeschichten über den RBB anhören zu müssen. Wie arm der Sender doch sei, dass man da überhaupt nicht gestalten könne – und das alles bei diesem unterirdischen Programm und, noch viel schlimmer, diesem eigenartigen Rundfunkrat… Solche Sachen erzählt man sich beim NDR, um Schlesinger bloß nicht an den RBB zu verlieren. Das spricht nicht gegen die durchsetzungsfähige Frauenförderin, der der langjährige „Extra-3“-Moderator Hans-Jürgen Börner in seiner Abschiedsrede bescheinigt hat, sie sei der einzige richtige Kerl unter all den Männern beim NDR.

Knapp zwei Wochen Zeit werden die Rundfunkräte haben, um sich eine eigene Meinung von den Kandidaten zu bilden. Das sollte reichen. Vorausgesetzt, es kommt nichts dazwischen, wird am 7. April gewählt. Danach wissen wir mehr.

Zunächst aber: Frohe Ostern!