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In Zeiten der Lügenpresse

Zwei Nachrichten aus dem Deutschlandfunk. Die schlechte: Das wöchentliche Medienmagazin wird eingestellt. Die gute: Es wird stattdessen ein tägliches geben. Von Ulrike Simon

Wahrscheinlich standen die Medien noch nie so massiv im Zentrum der Aufmerksamkeit wie derzeit. Mit den neuen Verbreitungswegen hat sich das Informationsverhalten verändert. Die Zahl der Nachrichten hat sich vervielfacht. Fake-News beeinflussen Wahlen. Nicht nur vielen Nutzern, auch Journalisten fällt es bisweilen schwer, Wichtiges von Unwichtigem, Richtiges von Falschem zu trennen. Wem kann man vertrauen? Wer kooperiert mit wem? Wer verfolgt welche Interessen?

Der Arbeit von Medien wird mit Skepsis begegnet: Woher haben sie ihre Informationen? Wie gewichten sie sie? Was lassen sie weg, was bauschen sie auf? Journalisten sind mehr denn je verbalen bis hin zu körperlichen Angriffen ausgesetzt. Der Legitimationsdruck ist gestiegen. In immer mehr Ländern Europas wird die Pressefreiheit ausgehöhlt.

Die Menschen wollen wissen, wie Medien funktionieren. Das erklärt den Erfolg von Medienmagazinen wie dem meines Kollegen Jörg Wagner beim RBB am Sonnabend oder auch den von „Markt und Medien“, das Medienmagazin des Deutschlandfunks. Dort weiß man: „Markt und Medien“ wird gezielt eingeschaltet. Die Hörerzahlen am Sonnabend zwischen 17 und 17.30 Uhr sind regelmäßig höher als die der Sendung davor und der danach.

Aus dem gestiegenen Interesse für Medien hat der Deutschlandfunk die Konsequenz gezogen. Von März kommenden Jahres an strahlt der Sender ein tägliches Medienmagazin aus.

Matthias Gierth, seit 2015 beim Deutschlandfunk Kulturchef und während seiner Zeit beim „Rheinischen Merkur“ zeitweise selbst verantwortlich für die Medienberichterstattung der Zeitung, bestätigt das Vorhaben: „Ausschlaggebend war der Erfolg unseres wöchentlichen Medienmagazins ,Markt und Medien‘, das bei den Hörern einen hohen Einschaltimpuls erzeugt. Das Thema verdient einfach mehr Sendezeit. Die Zeit schreit geradezu danach. Medien stehen wie nie zuvor im Fokus der Öffentlichkeit. Daher braucht es mehr Orte wie diesen, um zu reflektieren, wie Medien funktionieren, um transparent zu machen, wie wir Journalisten arbeiten.“

Der Deutschlandfunk wird das noch namenlose Magazin montags bis freitags jeweils zwischen 15.35 bis 16 Uhr ausstrahlen. Das inhaltliche und strukturelle Konzept entwickelt derzeit eine Projektgruppe, zu der Brigitte Baetz, Bettina Köster, Bettina Schmieding und weitere Journalisten gehören. Geleitet wird die Gruppe von Stefan Koldehoff. Der für seine investigative Herangehensweise bekannte Kulturjournalist arbeitet seit 2001 beim Deutschlandfunk.

Das Projekt des täglichen Medienmagazins genießt beim Deutschlandfunk größte Unterstützung durch Programmchef Andreas-Peter Weber, und auch der scheidende Intendant Willi Steul bestätigte mir am Rande unseres Gesprächs zu seinem vorzeitigen Rücktritt, wie wichtig es sei, aus dem Maschinenraum der Medien zu berichten, um zu zeigen, wie Journalisten arbeiten – und auch, wie sie sich dabei quälen.