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Luxusliner: Journalisten auf großer Fahrt

Sie haben sich in den Medien einen Namen gemacht, verfügen über viel Zeit und reisen gern. Wie sich Sabine Christiansen, Klaus Bresser oder Theo Sommer ihr Auskommen aufbessern. Von Ulrike Simon

Das Meer tiefblau, der Horizont so weit, am Himmel kein einziges Wölkchen. So lässt sich der Drink auf dem Sonnendeck genießen. Ob unterwegs zu unbewohnten Inseln in der Südsee, auf der Fahrt von Mauritius nach Mumbai oder von Acapulco nach New York... Die Unterbringung lässt nichts zu wünschen übrig, die Verpflegung ist fabelhaft, und die Landausflüge haben auch ihren Reiz. Es gibt Schlimmeres, als unter diesen Umständen ein-, bis zweimal pro Woche für ein paar Stündchen klug daherzureden und dafür auch noch Geld zu kassieren. Je nach Prominenz und Verhandlungsgeschick sind ein paar hundert bis ein paar tausend Euro pro Einsatz drin – zusätzlich zur zwei- bis dreiwöchigen Kreuzfahrt, die natürlich für lau ist. Für einen selbst und den mitgebrachten Partner ebenfalls. Das spart nicht nur eine locker fünfstellige Summe, sondern gleich noch die private Urlaubsbuchung.

Ex-Talk-Lady Sabine Christiansen lässt sich regelmäßig für Kreuzfahrten buchen, der kürzlich leider verstorbene Hellmuth Karasek tat es auch gerne, Ex-„Stern“- und Ex-„National-Geographic“-Chefredakteur Klaus Liedtke ist immer wieder an Bord, und alle treffen und trafen sie auf ihren Reisen Kollegen, die es ihnen gleichtun, ob Ex-„Zeit“-Chef Theo Sommer, die Ex-Nachrichtensprecher Claus Seibel und Wibke Bruhns, Ex-„Report“-Moderator Franz Alt oder Ex-„heute-journal“-Moderator Klaus Bresser. Die Häufung von ZDF-Leuten liegt womöglich daran, dass man sich beim „Traumschiff“-Sender auskennt mit solchen Luxusreisen. Auf der MS Deutschland war es jedenfalls immer schon üblich, bei den Drehs der Erfolgsserie zehn Kabinen für Honoratioren und Hierarchen des Senders zu reservieren.

Als das Traumschiff, vulgo die MS Deutschland, in Insolvenz geriet, beschloss Bresser, seine Kreuzfahrtkarriere hinzuschmeißen. Die Ziele waren ihm ausgegangen, sagt er. Er hat ja auch alles gesehen, zumindest entlang der Küsten dieser Welt, mit einer Ausnahme: der Antarktis. Wie das kommt? „Gegen diese Landschaft lässt sich nicht anreden“, sagt er, „jedenfalls nicht, wenn es um deutsche Politik geht“. Und darum ging es zumindest in seinen Vorträgen. Den einen, den mit persönlichen Anekdoten aus einem langen Journalistenleben, hat er so oft gehalten, dass das Manuskript über die Jahre ganz zerfleddert ist. Beim Publikum kamen die Geschichten gut an. „Es war immer alt genug, mich zu kennen“, sagt Bresser.

Welche Voraussetzungen sind mitzubringen, um einen solchermaßen hochattraktiven Job zu ergattern? Einer der Erfahrenen unter ihnen hat es mir erzählt: Wer keinen Kontakt zu den „Entertainment-Departments“ von Reedereien hat, muss auf einen Anruf hoffen. Hilfreich ist, sich beruflich einen Namen und damit ein gewisses Renommee oder zumindest Prominenz erarbeitet zu haben. Gute Chancen hat, wer auf Empfehlung kontaktiert wird, bessere, wer fernsehbekannt ist. Über seine Zeit sollte man frei verfügen können. Zwei bis drei Wochen dauern die Reisen, bei denen man nicht selten unerreichbar ist. Pensionierte sind also besonders prädestiniert. Auch Biologen, Mediziner und Historiker sind auf Kreuzfahrten willkommen. Politiker sowieso. Ob Eichel, Biedenkopf, Klose, Blüm oder Waigel – sie waren alle schon auf Kreuzfahrten engagiert und trafen auf ein dankbares Publikum. Auf hoher See können Abende ja lang sein, da tut ein wenig Ablenkung gut. Wobei mir einer der geübtesten unter den Kreuzfahrt-Journalisten, ein sogenannter Repeater, verriet: Das überschaubare, gebildete Publikum eines Fünf-Sterne-Expeditionsschiffes wie der MS Hanseatic sei freilich exquisiter als das einer MS Deutschland. Und auf der Europa, da fahre ja sowieso nur das Geld mit. Wer es dagegen auf die Sea Cloud schafft, dem ist der Neid sicher. Ein Manko hat das Ganze allerdings. Man ist gehalten, für Nachfragen der Reiseteilnehmer, denen auf einem Schiff ja schwer zu entkommen ist, auch außerhalb der Dienstzeiten ansprechbar zu sein. Ganz davon abgesehen sollte man es schon mögen, das Dasein auf Kreuzfahrt.

In diesem Sinne: Nächste und übernächste Woche pausiert diese Kolumne.