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Mathias Döpfner: Der 13-Millionen-Euro-Deal

Vorstandschef Mathias Döpfner hat tief in die eigenen Taschen gegriffen. Für mehr als 13 Millionen Euro hat er am Donnerstag vergangener Woche Aktien des Springer-Konzerns gekauft. Von Ulrike Simon

Wie signalisiert ein Vorstandsvorsitzender eines börsennotierten Unternehmens nach innen, außen und oben am nachdrücklichsten, was ihm sein berufliches Wirken wert ist? Richtig, er kauft Aktien an dem Unternehmen, das er führt. Mathias Döpfner hat gleich 283.500 davon gekauft. Am 16. Juni war das, und bezahlen musste er dafür an diesem Tag 47,46 Euro pro Stück. Damit hat er mehr als 13 Millionen Euro in den Springer-Konzern investiert, auf den Cent genau 13.453.690,95 Euro.

Seit 2002 ist der inzwischen 53-Jährige Vorstandschef von Springer. Jahr für Jahr erhält er dafür eine Vergütung in nie widersprochener zweistelliger Millionenhöhe. Einzeln ausgewiesen werden die Vorstandsgehälter nicht. Addiert erhalten die vier Vorstandsmitglieder – neben Döpfner sind das Jan Bayer, Andreas Wiele und Julian Deutz – aktuell 18,9 Millionen Euro. So steht es im jüngsten Geschäftsbericht für das Jahr 2015. Der Betrag ergibt sich aus der Summe der festen Bezüge in Höhe von 8,7 Millionen Euro und einer variablen Barvergütung in Höhe von 10,2 Millionen Euro. Davon ausgehend, dass der Vorsitzende üblicherweise doppelt so viel erhält wie die übrigen Vorstandsmitglieder, kommt man in Döpfners Fall auf besagte, knapp zweistellige, mindestens aber eine hoch einstellige Millionensumme jährlich.

Was macht man mit so viel Geld in Zeiten, in denen keines zu haben billiger ist als es zu horten?

In Potsdam stößt Döpfner langsam an seine Grenzen. Alles, was Günther Jauch ihm an Denkmälern, Bauten und Grünanlagen übrig ließ, dürfte der Springer-Boss bereits aufgekauft und saniert haben. Und auch die Wände seines für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Privatmuseums in der Villa Henckel bieten nur begrenzten Raum für noch mehr weibliche Aktdarstellungen. Döpfner entschied sich für ein Investment in die eigene Zukunft und nahm dafür ein Darlehen auf.

Bei Springer wird das kurz vor der Brexit-Entscheidung als mutig angesehen, aber auch als Zeichen seines Zutrauens in die Entwicklung des Verlags und damit in sich selbst. Zuletzt räumte Döpfner bei der Hauptversammlung im Mai seine Unzufriedenheit mit dem Aktienkurs ein. Aktuell dümpelt er bei unter 50 Euro. Vor einem Jahr waren es schon einmal 58 Euro. Mit dem Investment setzt der Vorstandschef gleich mehrere Signale: an die Mitarbeiter, an die die Analysten, an bestehende und künftige Aktionäre und vor allem Mehrheitsaktionärin Friede Springer.

Mitsamt dem neuen Aktienpaket hält Döpfner über seine Firma Brilliant 310. GmbH nun 3,07 Prozent an Axel Springer. Angefangen hat alles 2006. Da kaufte er zum ersten Mal Springer-Aktien, „um ein unternehmerisches Selbstgefühl zu entwickeln“, wie er gerade wieder in einem langen Interview dem „SZ-Magazin“ erzählte. Für die zwei Prozent, die er damals übrigens zum Vorzugspreis erworben hat, habe er sich existenziell verschulden müssen, „da ich keinerlei Vermögen hatte“, aber „ich wollte den unruhigen Schlaf des Unternehmers“. Kurze Zeit später, bei der Finanzkrise, verkaufte er viele der Aktien wieder zum Schleuderpreis. „In dieser Zeit habe ich die Schmerzen des Unternehmers wirklich zur Genüge erlebt.“ Doch Friede Springer sei Dank, schenkte ihm die Mehrheitsaktionärin kurz vor ihrem eigenen 70. Geburtstag vor vier Jahren einen Zwei-Prozent-Anteil im Wert von 73 Millionen Euro: als „Geste der Freundschaft und Anerkennung“.

Ist Döpfners Kauf von voriger Woche möglicherweise ähnlich zu interpretieren: als 13 Millionen Euro teure Geste an die Adresse von Axel Springers Witwe? Zwar unterstützte Friede Springer Döpfners kürzlich erfolgte, erneute Vertragsverlängerung bis mindestens 2021. Gleichzeitig ließ sie mit ihrem Unmut seinen Plan platzen, den Konzern in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien umzuwandeln, bei der sie möglicherweise bald nur noch auf dem Papier die Mehrheit gehalten hätte. Seither ist unklar, wie sie ihr Erbe und damit Axel Springers Vermächtnis regelt. Zuletzt sagte sie nur: „Zum Entscheiden brauche ich keine zwei Jahre“. Das war Anfang März.