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Die Feier der „Journalisten des Jahres“

Jetzt bloß nicht ermüden, auch wenn ein paar Stunden Auszeit ganz erholsam sein mögen. Von Ulrike Simon

Doch, auch die dreizehnte in Berlin vom „Medium Magazin“ veranstaltete Auszeichnung der „Journalisten des Jahres“ war ein gelungenes Fest. Ich freute mich, so viele Kollegen wiederzusehen und manche von ihnen nicht immer sehen zu müssen. Und ja, auch diesmal gab es Sätze, die man sich merken muss, zum Beispiel den des Sportjournalisten Hajo Seppelt: „Die Antwort auf Dummheit ist Recherche“.

Etwas vermisste ich aber an diesem Abend. Einer meiner Gesprächspartner fand den richtigen Begriff dafür: Entschlossenheit.

Ich verstehe ja, dass man sich in schwierigen Zeiten aneinander festhält. Der Dank ans Team gehörte bei fast jedem Gewinner zum guten Ton. Sympathisch fand ich, wie Jaafar Abdul Karim seiner Chefin dankte, weil die ihn einfach machen lässt und auch erträgt, wenn er anstrengend wird. Rührend fand ich die Liebeserklärung von Lorenz Maroldt an seinen „Tagesspiegel“-Mit-Chef Stephan-Andreas Casdorff, der daraufhin erst wie beiläufig etwas unter seinem rechten Auge wegwischte und anschließend das ganze Gesicht in der Serviette versenkte. Aber wo war die Kampfansage? Die Abrechnung? Der Gänsehaut-Moment, der einem im Gedächtnis bleibt?

Es ist ja nicht so, dass es an Anlässen gemangelt hätte: Trump. Fake News. Hetze. Journalisten-Bashing. Einflussnahmen, Fehlentwicklungen, Grenzüberschreitungen, Verunsicherungen. Aber keiner der Preisträger empörte sich, keiner der Laudatoren polterte. Alle blieben sie lieb und nett und freundlich. Eine Kollegin meinte, die seien eben alle „down-to-earth“, das sei doch gut so.

Aber ich will von Journalisten nicht immer nur hören, was sie alles nicht wissen, über wen sie sich alles nicht erheben dürfen, wem sie alles mehr zuhören sollten, was sie aus ihren Fehlern gelernt haben und wo wir uns überall in Zurückhaltung zu üben haben.

Ich kann gut nachvollziehen, dass es für manche ganz erholsam ist, sich für ein paar Stunden eine Auszeit zu gönnen, wissend, dass hier ausnahmsweise mal keine persönlichen Angriffe zu erwarten sind, weshalb man die heiklen Themen vielleicht sanft andeutet, aber viel lieber links liegen lässt und nicht ins Risiko geht. Das schienen alle sehr zu genießen.

Mir lag an dem Abend zu viel Einsicht, Demut und Hinnahme in der Luft, dafür zu wenig Mut, Unnachgiebigkeit und Zorn. Ein paar von uns braucht es schon, die sagen, wofür es sich zu kämpfen lohnt. Wer sich nur noch klein macht, wird übersehen, wer leise ist, überhört.

Alle Preisträger (mit den Begründungen der Jury)

Alle Fotos der Feier