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Wird Theveßen Nachfolger für HR-Chef Reitze?

Wieder soll ein Unionsnaher Intendant des Hessischen Rundfunks werden. Mehrere Namen kursieren, einer wird ganz besonders oft genannt: Elmar Theveßen, der Terrorexperte des ZDF. Von Ulrike Simon

Es war zu später Stunde, und das eine oder andere Glas geleert, als ich vor längerer Zeit mit ein paar anderen Medienjournalisten über Helmut Reitzes beharrliche Weigerung sprach, sein Gehalt als Intendant des Hessischen Rundfunks offenzulegen. Alle ARD-Intendanten haben das 2010 getan, beileibe nicht jeder und jede bereitwillig. Aber sie taten es. Zu groß waren der öffentliche Druck und der Wunsch nach mehr Transparenz im öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Nur diese kleine, von einem in dieser Hinsicht unbeugsamen Intendanten geführte hessische Anstalt schweigt bis heute. Wir überlegten deshalb, ob wir es Cato dem Älteren gleichtun und künftig unter jeden unserer Artikel den Satz schreiben sollten:

„Im Übrigen sind wir der Meinung, dass die Öffentlichkeit ein Recht hat, auch von Helmut Reitze zu erfahren, wie viel er verdient.“

Den Plan haben wir nie umgesetzt, aber auch nicht vergessen. Das letzte Mal, dass ich von Reitze wissen wollte, ob er seinen Widerstand nicht langsam aufgeben würde, war im Herbst 2013. Nein, wurde mir beschieden. Aus datenschutzrechtlichen Gründen werde er weiterhin keine Angaben zu seinem Gehalt sowie möglichen Nebenverdiensten machen. Die Aufsichtsgremien des Hessischen Rundfunks würden diesen, seinen Wunsch im Übrigen respektieren.

Insofern musste ich am Mittwoch schmunzeln, als ein Kollege bei der ARD-Pressekonferenz die Frage nach Reitzes Gehalt gestellt hat. Die Antwort blieb unbefriedigend. Es sei, wie es sei, der Kollege möge sich an den Hessischen Rundfunk wenden. (Unter uns: Gemessen am Gehalt der anderen Intendanten und der geringen Größe der hessischen Anstalt dürfte es deutlich über 200.000 Euro, aber unter 250.000 Euro jährlich liegen).

Anfang 2016 wird Reitze als Intendant des Hessischen Rundfunks aber sowieso aufhören. Aus gesundheitlichen Gründen lege er das Amt nieder, teilte er vor zwei Wochen mit. Aus denselben Gründen hatten sich 2013 viele gefragt, warum er sich überhaupt noch einmal zur Wiederwahl gestellt hat, noch dazu vorzeitig. Zu erklären war das nur mit den politischen Verhältnissen.

Dazu muss man wissen, dass Reitze bei seiner Wahl 2002 nur deshalb die erforderliche Stimmenmehrheit erreichen konnte, weil der Rundfunkrat zuvor entsprechend um Konservative erweitert und neu zusammengesetzt worden war. 2013 erfolgte der nächste Griff in die Trickkiste. Um zu verhindern, dass nach der Landtagswahl im September eine andere Partei als die Union ihren Einfluss geltend macht, wurde Reitzes Wiederwahl auf Januar 2013 vorgezogen. Der Rundfunkrat formulierte es eleganter: Man wolle „die Personalie aus dem hessischen Landtagswahlkampf heraushalten“.

Noch bis 2020 hätte Reitzes Amtszeit gedauert. Nun tritt der 63-Jährige ab. Bei der Sitzung des Rundfunkrats am 5. Februar 2016 soll seine Nachfolge geklärt werden. Bis Ende nächster Woche können die Mitglieder Vorschläge einreichen. Sie werden von einer Findungskommission am 9. Dezember gesichtet. Festzustehen scheint nur eines: Ein Schwarzer soll es wieder sein.

Ein Name wird in diesem Zusammenhang aus ganz unterschiedlichen Ecken kolportiert: Elmar Theveßen. Der Terrorexperte und stellvertretende Chefredakteur des ZDF gehört zu den profilprägenden Gesichtern des Mainzer Senders. Zuletzt hat er sich mit neuen Formaten wie dem jungen „heute plus“ zu profilieren versucht, doch an Chefredakteur Peter Frey kommt der 48-Jährige nicht vorbei. Der Weg nach Frankfurt ist außerdem so weit nicht. Schon Reitze arbeitete auf dem Mainzer Lerchenberg, bevor er an die Spitze des Hessischen Rundfunks wechselte.

Trotz diverser Versuche, mit Theveßen zu reden, vermied er das mündliche Gespräch. Er zog es vor, per SMS zu kommunizieren. Es ging hin und her, doch zu einer klaren Aussage rang er sich nicht durch. Auch nicht zu der, dass er keinen Kommentar abgeben will. Seine politische Couleur jedenfalls würde passen.

P.S. Im Übrigen bin ich der Meinung, dass die Öffentlichkeit das Recht hat, vom künftigen Intendanten des Hessischen Rundfunks zu erfahren, wie viel er verdient.