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RBB und Programmchefin Claudia Nothelle trennen sich

Es ist die erste große Personalentscheidung von Intendantin Patricia Schlesinger. Der Aufhebungsvertrag ist bereits unterschrieben. Von Ulrike Simon

Eigentlich sollte bis Januar 2017 Stillschweigen bewahrt bleiben. Solange sollte Claudia Nothelle Zeit haben, sich nach einer neuen Aufgabe umzusehen, obwohl der Aufhebungsvertrag schon seit Wochen unterschrieben ist. Darin steht, dass die Programmchefin des Rundfunks Berlin-Brandenburg (RBB) ihre Position abgibt, dem Vernehmen nach zum 28. Februar 2017. Wer mit den Interna beim RBB vertraut ist, wird darüber nicht überrascht sein. Überraschend ist eher die Konsequenz, mit der sich ein öffentlich-rechtlicher Sender und eine Führungskraft trennen.

Die Kritik an Nothelles Entscheidungsschwäche, sowohl mit Blick auf Programmneuerungen als auch mit Blick auf Führungsqualitäten, hält seit geraumer Zeit an. Folgen hatte das keine, abgesehen von denen auf das quotenschwächste Fernsehprogramm der ARD und das Nervenkostüm von Mitarbeitern.

RBB-Gründungsintendantin Dagmar Reim hatte die damalige ARD-Hauptstadtkorrespondentin 2006 vom MDR geholt, für den sie seit der Sendergründung im Jahr 1992 gearbeitet hatte. Seit Mai 2009, zeitgleich zur Zusammenlegung von Radio- und Fernsehdirektion, war Nothelle beim RBB Programmchefin. Reim schlug sie 2013 trotz der schon damals verbreiteten Unzufriedenheit zur Wiederwahl vor. Die Amtszeit der 52-Jährigen liefe noch bis 2019.

Nachdem Reim vor einem Jahr erklärt hatte, vorzeitig zurücktreten zu wollen, glaubte Claudia Nothelle ihre Chance zu wittern. Sie bewarb sich um Reims Nachfolge, wurde von der Findungskommission aber nicht einmal angehört. Offensichtlich konnte sich keiner vorstellen, dass Nothelle nach Reims Abgang plötzlich wie von einem Korsett befreit zur überragenden Programminnovatorin mutieren würde. Es war offensichtlich, dass auch Reim sie nicht gerne als ihre Nachfolgerin gehabt hätte. Die Atmosphäre zwischen den beiden Frauen war in jener Zeit eisig. Nothelle war das richtiggehend anzusehen.

Patricia Schlesinger wusste von Anfang an, als sie im April zur neuen Intendantin des RBB gewählt wurde, dass sie mit dem Amt auch ein Personalproblem in ihrer Direktion erbt. Als sie Anfang Oktober in einem Gespräch ihre ersten hundert Tage bilanzierte und die kurz zuvor angekündigte Programmreform erläuterte, fiel der Nothelles Name kein einziges Mal. Stattdessen sagte sie über Mitarbeiter, die sich als reformunwillig oder –unfähig erweisen: „Man wird sehen, wer da mitgeht“. Das sei wie am Bahnhof, wenn ein Zug abfährt: „Ein paar werden am Bahnsteig stehen bleiben“. Was dann? Dann geht es an die Strukturen, was wohl bedeutet: Dann fallen Personalentscheidungen.

Die erste ist nun gefallen.