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Auf Wiedervorlage: Jakob Augstein, „Bayernkurier“ u.a.

Allein das Wort weckt Bilder von staubigen Mappen, vergilbtem Papier und verbogenen Büroklammern. Im journalistischen Alltag ist die Wiedervorlage jedoch kaum zu überschätzen. Von Ulrike Simon

Es passiert ja so viel, man vergisst ja so schnell, und, zack, hat man eine Recherche nicht weiterverfolgt und ein anderer kommt einem zuvor. Das tut weh. Vorbeugend hilft da die Wiedervorlage. Aber auch sie kann weh tun. Etwa wenn man sich bewusst wird, wie falsch man in der Vergangenheit lag, gar erkennt, dass man richtiggehenden Humbug geschrieben hat. Für solche Fälle wirkt die Wiedervorlage disziplinierend. Man überlegt sich vorher, ob man sich der Dinge, die man schreiben will, hinterher schämen müsste. Das sollten sich jene vor Augen führen, die derzeit einen Blödsinn in die Welt posaunen, dass es mehr als nur wehtut. Womit wir bei Jakob Augstein wären.

Manchmal stellt sich bei der Wiedervorlage heraus, dass Dinge ins Stocken geraten sind. Den bald ein Jahr alten Artikel über Jakob Augsteins Verkaufsabsichten beim „Spiegel“ könnte ich so fast wortgleich wieder schreiben. Damals ließ der Verleger der defizitären Wochenzeitung „Freitag“ den „Spiegel“-Miteigentümer Gruner + Jahr per Mail wissen, dass er sein Erbe versilbern möchte. Vor wenigen Wochen, kurz vor Weihnachten, unternahm er einen erneuten Vorstoß. Auf die Frage, wie viel G+J das wert sei, erhielt er erneut zur Antwort: Jedenfalls nicht so viel, wie er gerne dafür hätte.

Bei G+J wissen sie: Ob sie seine rein rechnerisch sechs Prozent kaufen oder nicht – die Mehrheitsverhältnisse ändern würde das nicht. Auch dann nicht, wenn Maria Sabine oder Julian ihre je sechs Prozent obendrauf packen sollten. Franziska Augstein, die Vierte im Bunde, würde ihren Anteil sowieso nicht hergeben.

Jakob Augstein bleibt also nur, wie schon beim letzten Gesellschafterbeschluss, mit seiner einflusslosen Stimme die Zustimmung zu verweigern. So wie Ende November, als die „Spiegel“-Gesellschafter mit der notwendigen Mehrheit beschlossen, ein Fünftel aller Stellen zu streichen. Augstein stimmte dagegen. Ihm ging das nicht weit genug. Er wollte die Redaktion mindestens so sehr bluten sehen wie die Verlagsbereiche.

Aber zurück zur Wiedervorlage, zu dem, was #DieMedienkolumne bisher zu berichten hatte. Georg Löwisch, der neue „taz“-Chef, hat mit Anja Weber und Barbara Junge, wie im September an dieser Stelle prophezeit, tatsächlich zwei Frauen zu seinen Stellvertreterinnen gemacht. Hans Leyendecker, der demnächst – und zwar viel zu früh, wenn man mich fragt – für sein Lebenswerk ausgezeichnet wird, steht bei der „Süddeutschen Zeitung“ immer noch als Leiter des Ressorts „Investigative Recherche“ im Impressum. Sein Nachfolger, Nicolas Richter, wird, wie angekündigt, erst im Sommer aus den USA zurückkehren.

Was hatten wir noch? Ach ja, Steffen Grimberg und Sabine Krebs haben ihre Stellen als ARD-Sprecher inzwischen angetreten und absolvierten in dieser Woche mit der neuen ARD-Vorsitzenden Karola Wille ihren ersten Auftritt – vor allem für Grimbergs Verhältnisse allerdings sehr zurückhaltend und leise.

Voraussichtlich nicht eintreten wird hingegen, dass Elmar Theveßen Intendant des Hessischen Rundfunks wird. Wie es aussieht, wird man sich beim hr, der unter den schwachen ARD-Sender einer der Schwächeren ist, für den Weg der geringsten Veränderung entscheiden und den bisherigen Stellvertreter Manfred Krupp inthronisieren.

Neues gibt es in Sachen „Bayernkurier“. Wie vermutet, hat Wolfram Weimer den Auftrag verloren. Um alles Redaktionelle hat sich nun der zuvor beim Bayerischen Rundfunk moderierende Chefredakteur Marc Sauber zu kümmern. Er wird nun nach und nach Veränderungen am Konzept einleiten. Das Technische, von der Grafik über die Herstellung bis zum Vertrieb, besorgt vorerst Rettig Media – was den Kostenaufwand schlagartig verringert. Auf die Schnelle wurde die Agentur allerdings zunächst nur für diesen Monat verpflichtet, um erst einmal das Erscheinen der Ausgabe von kommender Woche sicherzustellen. Gut möglich, dass sie danach einen dauerhaften Vertrag erhält.

Die Agentur hat übrigens nach der Insolvenz der „Abendzeitung“ deren damaliger Anzeigenleiter Horst Rettig gegründet und dabei vor allem „AZ“-Kollegen um sich geschart. Nun kümmern sich also ausgerechnet Mitarbeiter einer ehedem linken Zeitung um das Erscheinen des „Bayernkuriers“.

Das war auch nicht zu erwarten. Aber das gilt für vieles, was aktuell geschieht, manche tun, sagen und schreiben.