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Der Masterplan des ZDF

Der Sender plant 2018 einen Ringelreigen zwischen Washington, Berlin und Mainz. Das Hauptstadtstudio könnte der Bruder eines der wichtigsten Berater von Kanzlerin Angela Merkel übernehmen. Von Ulrike Simon

Das ZDF rühmt sich gern seiner konsequenten Personalentwicklung, die auch langjährigen Mitarbeitern Chancen bietet. Das bietet die Gewissheit: Wer es erst einmal auf den Lerchenberg geschafft hat, dem ist ein lebenslanges Plätzchen in der öffentlich-rechtlichen Wärmestube sicher.

Wolfgang Herles weiß das. Den frisch Pensionierten scheint zwar noch heute zu wurmen, dass er vor 25 Jahren als Leiter des Bonner ZDF-Büros abgesetzt worden ist. Hart gefallen ist er aber nie. Er blieb in leitenden Funktionen, zuletzt viele Jahre bei der Kultursendung „Aspekte“.

Tempi passati, könnte man meinen, wäre da nicht dieses ADS, dieses Leiden an mangelnder Aufmerksamkeit, für das mancher alternde Journalist anfällig ist. Wen es erwischt hat, schlägt gerne verbal um sich oder zielt gleich auf das gesamte System, obwohl ihn doch nie irgendjemand gezwungen hat, ein ganzes Berufsleben lang Teil davon zu sein. Woher jemand wie Herles den Mut nimmt? Welchen Mut? Es kann ja nichts passieren, der öffentlich-rechtlichen Altersversorgung sei Dank.

Aber ich schweife ab. Außerdem halte ich medialen Aufmerksamkeitsentzug bei dieser speziellen Form von ADS für das wirksamste Mittel.

Zurück also auf den Lerchenberg, auf dem man Mittagspausen gern in der Kantine verbringt, denn der Weg runter in die Stadt ist mühsam. Also hockt man beisammen und denkt sich die dollsten Gerüchte aus. Zuletzt hieß es zum Beispiel gleich zwei Mal hintereinander binnen kürzester Zeit, Bettina Schausten, die Chefin des Hauptstadtstudios, würde Intendantin werden wollen.

Beim zweiten Mal war es mir richtiggehend peinlich, Bettina Schausten schon wieder fragen zu müssen, ob das stimmt. Da ging es um den Rundfunk Berlin-Brandenburg. Eine Zeitung hatte das Gerücht aufgeschrieben. Tatsächlich aber hat das ZDF ganz andere Pläne mit Bettina Schausten. Sie ist Teil des sogenannten ZDF-Masterplans.

Der Plan sieht folgendes vor: Wenn Ulf Röller als Leiter des ZDF-Studios in Washington zurückkehrt, soll er in Berlin Bettina Schausten an der Spitze des Hauptstadtstudios beerben. Schausten ginge nach Mainz, um dort an Peter Freys Seite stellvertretende Chefredakteurin zu werden. Den Reigen beschlösse der bisherige Vize, Elmar Theveßen, der Ulf Röller nach Washington folgen soll. So weit, so gut geplant.

Pikant daran ist, dass Ulf Röllers älterer Bruder Lars-Hendrik einer der wichtigsten wirtschaftspolitischen Berater von Bundeskanzlerin Angela Merkel ist. Andererseits: Wer weiß, was bis 2018 passiert. Vorher nämlich will Ulf Röller Washington nicht verlassen, schon wegen seines Sohnes, der noch seinen Schulabschluss hinter sich zu bringen hat.

Bevor Röller vor fünf Jahren in die USA ging, arbeitete er bereits im Hauptstadtstudio des ZDF und leitete später das „Morgenmagazin“, wo das ZDF manche Führungskraft rekrutiert hat. Bettina Schausten zum Beispiel, aber auch Peter Frey, von dem sie 2010 die Leitung des Hauptstadtstudios übernommen hat und dessen Stellvertreterin sie laut Masterplan würde. Für Theveßen wiederum, der schon in Washington studiert und von dort in den Neunzigerjahren als ZDF-Korrespondent über Nordamerika berichtet hat, bedeutete die Übernahme von Röllers Stelle die Rückkehr in die USA.

Fragt man beim ZDF nach dem Planspiel, erfolgt kein Dementi, sondern lediglich der Hinweis, dass bis 2018 noch viel Wasser den Rhein hinunterfließt. Fix ist lediglich Freys Vertragsverlängerung als Chefredakteur bis zum 31. März 2020. Er ist dann 62. Für alles andere gilt: Es müsste nur einer ausscheren, schon ist der schöne Plan dahin.

Übrigens: Nein, Bettina Schausten wird nicht Intendantin des RBB.