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Zum 70. Geburtstag von Stefan Aust. Ein Nachtrag

Es wäre doch wirklich schade, hätten nur die paar hundert Gäste auf Stefan Austs Hofparty die eigens für den Jubilar produzierte „Welt“-Ausgabe zu lesen bekommen. Deshalb hier ein Best-of. Von Ulrike Simon

Karikatur

Am späten Montagabend musste ich mich doch sehr wundern, als ich las, was „meedia“ da fröhlich hinausposaunte: Springer soll Stefan Austs Vertrag als Chefredakteur der „Welt“ um drei Jahre verlängert haben? Quatsch, dachte ich. Aust hatte mir erst ein paar Tage zuvor erzählt, dass es für ihn „Horror“ wäre, die Doppelfunktion als Herausgeber und Chefredakteur der „Welt“ dauerhaft wahrzunehmen. Das Tagesgeschäft könnten andere ohnehin besser, er widme sich lieber langfristigen Geschichten, hatte er mir gesagt, und dass er bis Jahresende, also bis sein aktueller Vertrag ausläuft, einen Nachfolger gefunden haben will. Angeblich wird es eine interne Lösung geben.

Keinen Zweifel ließ er entstehen, dass er gern weiterhin Herausgeber der „Welt“-Gruppe bliebe – wenn sie ihn denn ließen. Aber warum sollten sie nicht? Als ich Aust in seinem Büro bei Springer fragte, wo wir uns wohl zu seinem 75. Geburtstag treffen würden, drehte er jedenfalls seinen Kopf zum Fenster und deutete auf die Baustelle, dorthin also, wo Springer einen Neubau plant. Bis der steht, werden einige Jahre vergehen.

Als ich am Dienstagmorgen allerdings aufwachte und wieder ins Netz schaute, hatte sich die ursprüngliche „meedia“-Meldung bereits als Ente erwiesen. Lediglich Austs Vertrag als Herausgeber war verlängert worden. Zugegeben, Stefan Aust hatte sich bei seiner Geburtstagsfeier am vorigen Sonnabend ein wenig sehr verklausuliert über seine Vertragsverlängerung geäußert. Ich war nicht dabei, aber so wurde es mir erzählt.

Allen, die auch nicht dabei waren bei der Feier auf Austs Hof in Lamstedt (hier ein paar Impressionen von dem weitläufigen Gestüt)  muss die Fantasie reichen, sich Georg Mascolo vorzustellen, wie er mit Italienschal um den Hals Deutschland beim Elfmeterschießen gewinnen sah. Aber #DieMedienkolumne wäre nicht #DieMedienkolumne, hätte sie von der Party nicht doch etwas Handfestes ergattert: die achtseitige Sonderausgabe der „Welt“ für Stefan Reinhard Aust, der am 1. Juli 1946 als Ältester von später dann fünf Geschwistern in Stade das Licht der Welt erblickte. Die Sonderausgabe versteht sich als „Hommage an einen Aufrechten“.

Hier also nun das versprochene Best-of. Und da das Kuratieren fremder, jedenfalls nicht selbst recherchierter Inhalte in meinen Augen kein Journalismus ist, mache ich es wie Buzzfeed & Co.:

Diese 14 Zitate verraten Ihnen, wie Stefan Aust wirklich ist:

  1. Stefan kennt sie alle. Man sitzt mit ihm in der Karibik – ich hab’s selbst erlebt – trinkt Cuba Libre und Stefan Aust sagt: „Ich ruf mal kurz Alonso an.“ Oder so. Und dann kommt da plötzlich so ’n goldbehängter Johnny oder unrasierter Kater Carlo an… Abenteuerlich! (Bertram Rickers, Reeder)
  2. Nicht jeder findet es allerdings gut, dass England die EU verlassen musste, nur weil Aust sich das angeblich gewünscht hat. (Hans Zippert)
  3. Er teilt seine Erfahrungen gerne. Auch die, die er als Pferdezüchter macht: „Ich habe zwar schon oft weniger bekommen, als ich verlangt habe, aber ich habe noch nie mehr bekommen, als ich gefordert habe.“ Ein Satz zum Merken. Und einer, der ihn gut beschreibt. (Torsten Rossmann)
  4. Dass mir das in meiner beruflichen Laufbahn noch passieren würde: der ehemalige Chefredakteur des linksliberalen Spiegel kommt zur angeblich konservativen Welt und die Redaktion und die Öffentlichkeit beklagen sich über einen Rechtsruck. (Mathias Döpfner)
  5. Ich bin froh und stolz, Dich als Rat- und Impulsgeber, wohlmeinenden Kritiker und scharfen Analysten an meiner Seite zu wissen. (Sigmar Gabriel)
  6. Einmal ist Stefan Aust innerhalb von etwa einer Woche von Hamburg nach Brasilien geflogen, von dort nach Feuerland, dann einmal (mit zwei Stopps) nach Kanada zu den Ölsänden, wo er dann spontan entschied, auf dem Rückweg noch schnell in Nantucket stopp zu machen (zu seiner Assistentin, der genialen Charlotte Krüger, sagte er nun: „Lotta, sag bitte den Indianern ab und buch den Rückflug um“), wo er innerhalb von drei Tagen eine Reportage über Moby Dick drehte (die, by the way, wirklich gut ist). Dann zurück nach Deutschland. (Ulf Poschardt)
  7. Im Altgriechischen bedeutet STEFAN so viel wie der Bekränzte. Zum Geburtstag ist der Blütenkranz samt Inschrift geflochten: All editors are bastards, but some are great bastards.  P.S. Austin in Texas ist übrigens nicht nach ihm benannt. (Michael Jürgs)
  8. Stefan, so von Narzisst zu Narzisst, und dies ganz im Vertrauen: Du hast so unglaublich viel erreicht und musst deshalb mit 70 nicht weiterhin laufend versuchen, Dich immer wieder selbst zu übertreffen. Atme tief durch, sogar wenn Du während des Tages für einmal nicht permanent für Deine einmalige Großartigkeit gelobt wurdest. Dies ist kein Grund, um sich in Depressionen zu stürzen. Wir alle wissen, wie gut Du bist. (Roger Schawinski mit Eigenwerbung für sein jüngstes Buch)
  9. Gegen Lampenfieber bei Turnieren empfahl Stefan mir übrigens dasselbe Gegenmittel wie in der Politik: „Stell Dir einfach vor, der steht nackt vor Dir. (Achaz von Buchwaldt, Austs Reitlehrer)
  10.  Angst vor Königsthronen? Nein, solche Befindlichkeiten sind Dir fremd. Wohl auch, weil Du fest daran glaubst, es im Zweifel sowieso besser zu wissen und zu können. (Manfred Bissinger)
  11. Die sozialen Netzwerke und @stefanaust. Ein Verhältnis voller Dialektik. Einerseits: Zeitverschwendung, Geldverschwendung („Könnt Ihr mir mal sagen, wie viel Geld Ihr damit schon verdient habt?“), Unfug. Überflüssig. Eigentlich. Andererseits dieser 21. Oktober 2015: „Nachdem mehrere Leute unter meinem Namen unsinnige Mitteilungen verschickt haben, werde ich das jetzt selbst übernehmen.“ 271 Retweets, 895 Likes. Wenig später befördert er in einer seiner ersten Personalmaßnahmen überhaupt eine Redakteurin zur Social-Media-Chefin. (Oliver Michalsky)
  12. Und dann ist es natürlich so mit Stefan: Wenn du wie an Bord nur begrenzt Internet hast, übernimmt er praktisch die Funktion von Google. Weil er ja alles weiß und vieles eben auch besser. (Bertram Rickers, Reeder)
  13. Hat er die Idee für ein Meeting, macht er es: sofort. Passt ihm etwas nicht, sagt er das: sofort. Ist etwas gut geworden, weiß er das: sofort. Ist ein Kanzler unfähig, erledigt er das: sofort. (Ulf Poschardt)
  14. Kompliment für Ihre Zeitung, die ich digital seit Jahren täglich lese, auch wenn ich nicht jede Tendenz teile. Aber wenn Ihr mit Stefan Aust klarkommt, dann müsst Ihr starke Typen sein. (Zuschrift eines „Welt“-Lesers)

Natürlich kann an dieser Stelle nicht alles zitiert werden, was über Stefan Aust in der redaktionell von Inga Griese, Ulf Poschardt und Dagmar von Taube betreuten Sonderausgabe steht. Vorenthalten bleiben Beiträge wie jene von Jürgen Flimm, Klaus Brinkbäumer, Otto Schily, Peter Gauweiler oder auch die von Ursula von der Leyen und Horst Seehofer. Dasselbe gilt für das Gedicht des ehemaligen Hamburger Pastors Helge Adolphsen, das ihm die Springer-Witwe mit einem „Herzlichen Glückwunsch von Deiner Friede“ widmete. Nur so viel – es heißt: „Das Alter kommt auf seine Weise“.