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Arzneimitteltests an Demenzkranken: Patientenschützer sind in Sorge

Patientenschützer warnen vor einem zu großen Einfluss von Ärzten bei medizinischen Versuchen an Demenzkranken. Patienten sollten sich nicht zu vorschnellen Entscheidungen drängen lassen.

„Ärzte erhalten durch die Aufklärungspflicht einen zu großen Einfluss“, sagte Eugen Brysch, Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, den Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND). Die gruppennützige Forschung müsse höchsten ethischen Ansprüchen genügen. Schließlich werde eine Willenserklärung in gesunden Tagen und häufig viele Jahre im Voraus gegeben. Dafür brauche es eine umfassende, qualifizierte und vor allem unabhängige Beratung. „Es ist brandgefährlich, den Ärzten hier eine Sonderstellung einzuräumen“, sagte Brysch. Denn Mediziner seien nicht die höchste ethische Instanz unseres Landes. „Manche Ärzte verfolgen sogar eigene Forschungsinteressen.“

Wer sich zu gruppennütziger Forschung bereit erklären wolle, sollte sich umfassend informieren und den Willen in einer Erklärung festhalten. Dazu sei künftig eine ärztliche Beratung verpflichtend. „Doch Ärzte geraten viel zu schnell in Interessenkonflikte. Deshalb sollten Patienten unbedingt fragen, ob ihr Arzt selbst an solcher Forschung beteiligt ist.“

An diesem Freitag will der Bundestag über die Neuregelung der Arzneimitteltests an Demenzkranken entscheiden. Damit sollen diese Tests in Deutschland künftig grundsätzlich möglich sein,  auch wenn der betroffene Patient davon keinen eigenen Nutzen hat. Dafür wird die sogenannte gemeinnützige Forschung eingeführt, vorausgesetzt, der jeweilige Patient hat dies nach einer verpflichtenden ärztlichen Beratung schriftlich entsprechend festgelegt.