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Autor Gilles Kepel: „Französisches Parteiensystem ist überholt“

Der französische Sozialwissenschaftler und Islamkenner Gilles Kepel übt nach dem Aufstieg des rechtsextremen Front National scharfe Kritik an das System.

Der französische Sozialwissenschaftler und Islamkenner Gilles Kepel hält das französische Parteiensystem für überholt. Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) sagte er: „Ein Bruch durchzieht die französische Gesellschaft. Es geht dabei um die zentrale Frage, ob man Zugang zum globalisierten Arbeitsmarkt hat oder nicht. Unser traditionelles politisches System mit Sozialisten und Republikanern bildet diese Realität nicht ab und ist deshalb überholt.“ Das erkläre auch den Erfolg des Kandidaten Emmanuel Macron, denn er habe sich aus der Parteienmaschinerie gelöst.
Terroristen begrüßen den Erfolg von rechtskonservativen Parteien
Die größte Herausforderung für den kommenden Präsidenten sieht Kepel darin, den Jugendlichen aus Einwandererfamilien Zugang zum Arbeitsmarkt zu verschaffen. Kepel ist der Ansicht, dass islamische Terroristen den Erfolg von rechtskonservativen Parteien wie der Front National und der AfD begrüßen. Dem RND sagte er: „Die Dschihadisten der dritten Generation sehen Europa als schwachen Unterbauch der westlichen Welt an. Ihre Strategie ist es, mit provokanten Anschlägen Vergeltungsschläge gegen Muslime auszulösen, die wiederum den Dschihadisten Zulauf bescheren.
Je stärker rechte Kräfte werden, desto mehr verfängt die dschihadistische Propaganda. Auf der anderen Seite befördern die terroristischen Anschläge natürlich die Front National oder die AfD. Das ist ein Teufelskreis.“ Kepel kritisierte Bestrebungen von Politikern etablierter Parteien in Frankreich und Deutschland, auf Stimmenfang im rechten Lager zu gehen. Dem RND sage er: „Diese Versuche, sich aus dem gesellschaftlichen Bruch Vorteile zu verschaffen, statt ihn zu heilen, sind sehr kurzsichtig.“
Am 8. März erscheint im Verlag Antje Kunstmann die deutsche Übersetzung von Gilles Kepels Band „Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft“. Darin analysiert er die Ursachen und Folgen der jüngsten Terrorattentate in Frankreich.