English
Menü

Babak Rafati beklagt Verhalten des DFB gegenüber depressiven Spielern

Babak Rafati geht mit dem DFB hart ins Gericht. "Homosexuelle dürfen nicht sagen, dass sie schwul sind, Schiedsrichter dürfen nicht sagen, wenn sie depressiv sind", beklagt der Ex-Bundesliga-Schiedsrichter im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND).

"Profis brauchen sehr viel Mut, um seelische Erkrankungen zu offenbaren", sagte der Ex-Bundesliga-Schiedsrichter im Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören. Der 45-Jährige warf dem Verband außerdem vor, dass im Schiedsrichtersystem des DFB "eine Art Korpsgeist" hersche, "der gegenseitige Kritik verbiete". "Aber man muss sich nach den Spielen hinstellen und Fehler offen und ehrlich zugeben", sagte Rafati.

Babak Rafati hatte versucht, sich am 19. November 2011 – vor seinem Schiedsrichter-Einsatz bei der Partie zwischen dem 1. FC Köln und Mainz 05 – in einem Hotelzimmer das Leben zu nehmen. Doch er überlebte. Mit dem RND spricht der damals 41-Jährige offen über diese Nacht: "Ich wollte die Sache beschleunigen, aber es ging nicht. Ich wollte nicht sterben, nur diesen hässlichen, unmenschlich brutalen Film beenden." "Heute weiß ich, dass ich alle Anzeichen einer Depression hatte, und der Grund war das Mobbing meiner Führungskräfte beim DFB", sagte Rafati.

Der Sohn persischer Eltern berichtet heute als Vortragsredner über seine Erfahrungen mit Depression und Spitzensport. Mit dem Fußball hat er abgeschlossen. Auf die Frage, ob der DFB ihn jemals gebeten habe, seine Erfahrungen weiterzugeben, sagte Rafati: "Nein, bei mir hat sich seit meinem Suizidversuch niemand vom DFB gemeldet. Sportlich ist der Verband Weltmeister, warum nicht auch menschlich? Ich könnte bei Vereinen über meine Fehler und Schwächen berichten. Unternehmen brauchen gesunde Mitarbeiter."