English
Menü

DIW-Chef Fratzscher sieht deutsche Konjunktur am Wendepunkt

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, sieht die deutsche Konjunktur an einem Wendepunkt.

„Vieles darauf hindeutet, dass die goldenen Jahre bald vorbei sein könnten“, sagte Fratzscher dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Das Wirtschaftswachstum wird bergab gehen, daran besteht kein Zweifel“, fügte der Ökonom hinzu. Die Frage sei nur noch, wie stark der Abschwung sein werde und wie schnell er komme.

Für 2017 sei er noch ganz optimistisch, so Fratzscher weiter. „Wahrscheinlich werden die Beschäftigtenzahlen noch einmal steigen, wenn auch deutlich schwächer als 2016.“ Mittelfristig aber werde sich diese Entwicklung wegen der Demografie umdrehen.  „Bereits heute können wir eine Millionen Stellen wegen des Arbeitskräftemangels nicht besetzen“, sagte der Wirtschaftsforscher. „Wenn die Beschäftigtenzahl sinkt, geht auch das Wachstum zurück.“

Der Bundesregierung stellte der DIW-Chef ein schlechtes Zeugnis aus. „Die gute Lage heute ist nicht das Resultat kluger Wirtschafts- oder Sozialpolitik, sondern hat viel mit Glück zu tun“, so Fratzscher. „Die Politik klopft sich auf die Schulter und versäumt es, das Land fit für die Zukunft zu machen.“

Er forderte die Bundesregierung auf, jetzt durch Reformen die Rahmenbedingungen für künftigen Wohlstand zu schaffen. „Die Regierung muss mehr in Infrastruktur investieren. Dabei geht es nicht nur um Straßen und Brücken, sondern auch um digitale Infrastruktur. Kaum ein Industrieland ist da so schlecht aufgestellt wie Deutschland. Außerdem geben wir viel zu wenig für Bildung aus.“