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ICCT: Euro-6-Diesel stoßen mehr Stickoxide aus als moderne Busse und Lkw

Die unabhängige Forschungsorganisation International Council on Clean Transportation (ICCT) stellt modernen Dieselfahrzeuge ein schlechtes Zeugnis aus.

Bei Messungen unter realen Fahrbedingungen zeigte sich, dass Diesel-Pkw der neuesten Euro-6-Abgasnorm offenbar generell mehr als doppelt so viel Stickoxid ausstoßen wie moderne Lastwagen und Busse. Den Grund sehen die ICCT-Forscher, die seinerzeit den VW-Skandal aufdeckten, in den unterschiedlichen Rahmenbedingungen für Abgastests für Pkw und Lkw. Während für die Einstufung in Abgasklassen Nutzfahrzeug-Emissionen stets im Echtbetrieb auf der Straße gemessen werden, beschränken sich bei Pkw die offiziellen Tests bislang auf Labormessungen sorgfältig vorbereiteter Prototypen.

Laut Abgasnorm dürfen Autos der Klasse Euro 6 maximal 80 mg Stickoxid pro gefahrenen Kilometer in die Luft blasen. Bei den Messungen im Straßenverkehr, die das Kraftfahrtbundesamt in den vergangenen Monaten durchgeführt hat, waren es im Durchschnitt aber 500 mg. Diese Werte verglichen die ICCT-Forscher mit den Messdaten des Technischen Forschungszentrums Finnland, das 24 Busse und Lastwagen der vergleichbaren Schadstoffnorm Euro VI untersucht hat. Dort lagen die durchschnittlichen Stickstoffmengen bei „nur“ 210 mg pro Kilometer, deutlich weniger als erlaubt. 

„Für die Ermittlung der Emissionen von Lkw und Bussen schon seit 2013 mobile Messgeräte vorgeschrieben, sodass zufällig ausgewählte Fahrzeuge unter realen Fahrbedingungen vermessen werden können,“ sagt Peter Mock, Geschäftsführer von ICCT in Europa. Ähnliche Tests mit mobilen Messgeräten werden in der EU ab September 2017 auch für Pkw verpflichtend eingeführt. Die ICCT-Forscher erwarten dadurch eine deutliche Senkung des Emissionsniveaus bei Diesel-Pkw, sehen jedoch gleichzeitig weiteren Handlungsbedarf. „Schon heute wäre es besser, normale Serienfahrzeuge aus Kundenhand zu vermessen statt vom Hersteller präparierte Prototypen“, sagt Mock.  Zudem plädiert er für stichprobenartige Nachkontrollen. Eine entsprechende Änderung der geltenden Vorschriften will die EU-Kommission, gegen den Widerstand einiger Fahrzeughersteller und EU-Mitgliedsstaaten, in einer Arbeitsgruppensitzung am 17. Januar in Brüssel ins Gespräch bringen.