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Lemke: „Das hat mit Chancengleichheit nichts zu tun“

Wenige Tage vor seinem Rückzug aus dem Aufsichtsrat hat Willi Lemke (70) die Verantwortlichen des Fußball-Bundesligisten Werder Bremen kritisiert.

„Tatsache ist, dass es sportlich nicht gut läuft. Die Frage ist, warum es bei anderen Klubs, die finanziell nicht besser gestellt sind, sportlich besser läuft als bei uns. Diese Diskussion muss von den Verantwortlichen im Verein ehrlich geführt werden“, sagte Lemke dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) in seinem großen Abschiedsinterview. Lemke weiter: „Wir sind in einer kritischen Situation. Ich hoffe von Herzen, dass es den Verantwortlichen gelingt, das Steuer wieder rumzureißen. Dafür ist noch einiges an Arbeit notwendig. Klar ist: Wir müssen besser werden.“  
Lemke, der seit 1981 in verschiedenen Positionen für Werder Bremen tätig war, wird bei der Jahreshauptversammlung des Klubs am kommenden Montag nicht mehr für einen Posten im Aufsichtsrat kandidieren: „Es geht mir sehr nahe, mich jetzt zu verabschieden.“  
Die allgemeine Entwicklung im Profifußball beobachtet Lemke derweil mit Sorge. „Wir haben heute Investoren, die einfach einen Verein kaufen und verändern. Wir haben einen Wildwuchs bei den Spielerberatern, der nicht zu akzeptieren ist. Und wenn ich dann noch sehe, dass einige Vereine eine europäische Superliga nach amerikanischem System planen, in der die reichsten Klubs ohne Abstieg spielen … das ist eine Horrorvision für mich!“, sagte Lemke. „Ich hoffe, dass sich die Traditionalisten europaweit endlich mal zusammenschließen und diesem Spuk ein Ende bereiten, indem sie sagen: Wir lassen uns nicht erpressen! Spielt ihr doch eure Superliga, wir präsentieren den Menschen lieber ehrlichen Fußball.“  
Die sportliche und finanzielle Dominanz des FC Bayern stört den langjährigen Werder-Manager (1981 bis 1999) ebenfalls. „Das hat doch mit Chancengleichheit nichts mehr zu tun!“, sagte Lemke. „Der Kampf um die deutsche Meisterschaft wird immer langweiliger. Und der Abstand zwischen den Bayern und dem Rest der Liga wird immer größer.“  
Lemke blickte im Gespräch mit dem RND aber auch selbstkritisch auf die vergangenen 35 Jahre bei Werder zurück, etwa, als es um die Verpflichtung des ehemaligen Eishockey-Managers Thomas Eichin im Februar 2013 ging. „Sicher, dieses Experiment ist leider gescheitert“, sagte Lemke. „Aber Thomas Eichin hatte sich bei den Bewerbungsgesprächen exzellent verkauft. Das Problem war, dass er es nicht geschafft hat, sich im Verein und in der Stadt zu verankern. Aber das ist sehr wichtig bei Werder. Du Grünkohl lieben, du musst zum Freimarkt gehen und du musst unbedingt ins Team passen – sonst kommst du hier nicht an.“