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Literaturkritiker Denis Scheck ekelt sich vor Nichtlesern

Der Literaturkritiker Denis Scheck findet es beschämend, dass in Deutschland immer weniger gelesen wird. "Ich bin ungern unter Menschen, die nicht lesen. Genauso ungern wie unter Menschen, die sich nicht waschen", schreibt Scheck in einem Meinungsbeitrag für das RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören.

In einer Gesellschaft mit schrumpfender Leserschaft zu leben sei ihm peinlich und erfülle ihn mit Ekel und Widerwillen. Der Moderator des ARD-Büchermagazins "Druckfrisch" verweist auf eine Statistik, der zufolge rund 35 Millionen Menschen in Deutschland gar nicht oder seltener als einmal im Monat zu einem Buch greifen.

Verantwortlich für den wachsenden Leseverdruss macht Scheck unter anderem die schlechte Qualität vieler Bücher, vor allem solcher, die von literarisch unbedarften Prominenten geschrieben würden: "Die Reichen und Schönen unseres Landes, also Wirtschaftsführer, Politiker und Schlagersternchen, lassen sich zwar selten mit einem Buch in der Hand in der Öffentlichkeit erwischen, umso lieber sehen sie ihre Konterfeis aber auf den Titelbildern von Büchern." Just diese Bücher seien es, die vielen Menschen die Leselust madig machten, meint Scheck.

In seinem Gastbeitrag unterstreicht Scheck die politische Funktion der Literatur, die schon eine scharfe Waffe im Kampf um bürgerliche Emanzipation in der Feudalgesellschaft gewesen sei. "Genau deshalb ist Lesen, ist Literatur totalitären Machthabern immer ein Dorn im Auge und steht bis heute unter politischem Verdacht", schreibt Scheck. Auf der persönlichen Ebene wiederum könne das Lesen ein willkommenes Fluchtmittel sein, um "dem ständigen Kreisen um den eigenen Nabel" zu entkommen: "Literatur lesen heißt, mehr als ein Leben führen zu dürfen, ohne mehr als einen Tod sterben zu müssen", schreibt Scheck.