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Schanna Nemzowa: „Russland ist kein starkes Land mehr“

Die Tochter des im Jahr 2015 ermordeten Politikers Boris Nemzow, Schanna Nemzowa (32), sieht Russlands außenpolitischen Einfluss begrenzt.

„Natürlich versucht Putin, die Europäische Union zu schwächen. Aber die Schwäche der EU geht doch nicht auf Putin zurück. Natürlich unterstützt er europakritische Parteien. In einigen Ländern mag er damit gewissen Einfluss haben, aber in Deutschland kaum“, sagte Nemzowa in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören.

„Russland ist kein starkes Land mehr. Es ist schwach. Seine Wirtschaft ist schwach, seine Forschung ist schwach, seine Schulen sind schlecht. Es hat nur noch seine Waffen und es hat die Opferbereitschaft der Russen. Das ist furchtbar.“ Dennoch ist die 32-Jährige gegen Sanktionen: „Importe mit heimischen Produkten zu ersetzen, hat nicht funktioniert – aus einem einfachen Grund: Niemand investiert, weil völlig unklar ist, wann die Importverbote wieder aufgehoben werden.“

Im vergangenen Jahr erhielt Nemzowa den Lech-Walesa-Preis. Mit einem Teil des Preisgeldes gründete sie die Boris-Nemzow-Stiftung, die am 12. Juni erstmals einen Preis für Courage verleiht. Preisträger ist der Politiker und Journalist Lew Schlossberg, der über in der Ostukraine getötete russische Fallschirmjäger berichtete und in der Folge zusammengeschlagen wurde.