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Minister Schmidt: Leitkultur mit Bier und Schwein respektieren

Der CSU-Vize und Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat an in Deutschland lebende Muslime und an Flüchtlinge muslimischen Glaubens appelliert, die deutsche Leitkultur anzuerkennen.

Dem RedaktionsNetzwerk Deutschland sagte Schmidt: Deutschland habe eine große Brauereidichte und die Braukunst sei „eine ganz besondere kulturelle Tradition“. Auch deshalb erwarte er grundsätzlich, „wer zu uns kommt, der muss die Leitkultur zwar nicht übernehmen – aber er muss sie respektieren“. Er verstehe auch nicht, „weshalb man einen Muslim provoziert, der sich getreu der islamischen Vorgaben ernährt, wenn es neben ihm Menschen gibt, die Würstchen essen, die aus Schwein gemacht sind“. Er sei „dagegen, dass wir den kleinsten gemeinsamen Nenner zur Grundlage unseres kulturellen Verhaltens machen“. Wenn es kulturelle Vielfalt gebe „sollte diese zu mehr Vielfalt auf dem Speiseplan führen und nicht zur Einschränkung des Angebots für die Mehrheit der Bürger“.

In diesem Zusammenhang bekräftige Schmidt seinen Plan, Flüchtlinge insbesondere auf dem Land anzusiedeln, um den Bauernstand zu stärken. Deutschland müsse Parallelgesellschaften in den großen Ballungsgebieten verhindern. „Dezentrale Angebote sind integrationsfördernder als Parallelgesellschaften. Deswegen erarbeite ich mit dem Chef der Migrationsbehörde, Frank-Jürgen Weise, ein Konzept, wie wir dem Einwohnerschwund im ländlichen Raum entgegenwirken und Flüchtlingen dosiert Angebote machen, in diese Regionen zu gehen.“

Und hier lesen Sie das gesamte Interview

Wer zu uns kommt, muss unsere Leitkultur respektieren

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) über ein Reinheitsgebot für die Union, Schweinefleisch auf dem Speiseplan und das Schreddern von Küken

Herr Schmidt, in Bayern trinkt man sich manchen Streit beim Stammtisch mit ein paar Maß Bier schön. Würde es der Union vielleicht nutzen, wenn Angela Merkel und Horst Seehofer häufiger zusammen ein Bier trinken würden?

Das Maß Bier ist insbesondere in Bayern verbreitet. Für die Landwirtschaft wäre es jedoch besser, sie würden Milch trinken. Aber egal, auf welcher Grundlage: Auf jeden Fall sollten die beiden so oft wie möglich miteinander sprechen.

Was ist für Deutschland existenzieller: das Reinheitsgebot für Bier oder ein Reinheitsgebot für die Union nach den Vorstellungen von CSU-Chef Seehofer?

Für das Lebensmittelrecht ist das Reinheitsgebot für Bier existenziell, gerade auch aus einer kulturellen Tradition heraus. Es ist der Vorläufer allen Lebensmittelrechts. Für die Union ist es wichtig, dass das straußsche Prinzip, dass rechts von der Union keine demokratisch legitimierte Partei sein kann und sein soll, auch Auftrag für uns ist. Wir müssen gemeinsam gerade im bürgerlich-demokratischen Lager Antworten auch für diejenigen geben, die gegenwärtig Schwierigkeiten haben, uns zu wählen.

Erwarten Sie von Muslimen Respekt vor dem alkoholischen Kulturgut Bier?

Ich bin Franke und stamme damit aus der Region Deutschlands mit der höchsten Brauereidichte. Die Braukunst ist in Franken eine ganz besondere kulturelle Tradition. Grundsätzlich bin ich der Meinung, wer zu uns kommt, der muss die Leitkultur zwar nicht übernehmen – aber er muss sie respektieren.

Sie halten also nichts davon, Schweinefleisch von Speisekarten zu nehmen, um Muslime nicht zu provozieren?

Ich verstehe nicht, wieso man einen Muslim provoziert, der sich getreu den islamischen Vorgaben ernährt, wenn es neben ihm Menschen gibt, die Würstchen essen, die aus Schwein gemacht sind. Ich bin dagegen, dass wir den kleinsten gemeinsamen Nenner zur Grundlage unseres kulturellen Verhaltens machen. Wenn es kulturelle Vielfalt gibt, und die gibt es ja bereits, sollte diese zu mehr Vielfalt auf dem Speiseplan führen und nicht zur Einschränkung des Angebots für die Mehrheit der Bürger.

Sie haben vorgeschlagen, Flüchtlinge dazu zu verpflichten, auf dem Land zu siedeln, um ländliche Räume vor der Verödung zu bewahren und so den Bauernstand zu retten. Halten Sie das immer noch für eine gute Idee?

Erstens: Wir wollen nicht, dass in den großen Ballungsgebieten Parallelgesellschaften entstehen. Zweitens: Dezentrale Angebote sind integrationsfördernder als Parallelgesellschaften. Deswegen erarbeite ich mit dem Chef der Migrationsbehörde, Frank-Jürgen Weise, ein Konzept, wie wir dem Einwohnerschwund im ländlichen Raum entgegenwirken und Flüchtlingen dosiert Angebote machen, in diese Regionen zu gehen.

Viele fordern ein Verbot des Schredderns von männlichen Küken. Bisher lehnen Sie eine solches Gesetz ab. Was muss passieren, damit auch Sie dafür sind?

Im Ziel sind wir uns einig, aber wir müssen den richtigen Weg wählen. Das Problem ist nicht von heute auf morgen per Gesetz lösbar. Andernfalls müssten wir mit einem Exodus von Brütereien und der Produktionsverlagerung ins Ausland rechnen, was das Problem eher noch verschärft. Mir ist kein Land außerhalb Deutschlands bekannt, das sich so intensiv um die Verhinderung des Kükenschredderns kümmert.

Was ist das Gute an Massentierhaltung?

Massentierhaltung als Begriff bedarf der Differenzierung. Es geht nicht um die Quantität der Tiere, sondern um die Qualität der Haltung. Wir müssen rote Linien haben für die Tierhaltung. Und die sind in einigen Fällen überschritten.

Sie haben gesagt „An apple a day keeps Putin away“. Gleichzeitig setzen Sie sich dafür ein, dass Russland sein Embargo für landwirtschaftliche Produkte aus der EU aufgibt. Wie passt das zusammen?

Das passt so zusammen, dass das Handelsembargo für Lebensmittel kein europäisches Embargo gegen Russland, sondern ein russisches Embargo gegen Europa ist. Russland rechtfertigt dies beim Schweinefleisch mit sanitären Gründen. Das lassen wir gerade von der WTO klären. Ich will aber keine Sieger oder Besiegten in Genf, sondern ich möchte, dass Russland das Embargo Stück für Stück aufhebt.

Gibt es da Signale?

Ich werde in Kürze in Russland sein. Ich fahre zwar nicht mit übergroßem Optimismus dorthin. Mittelfristig bin ich aber doch recht zuversichtlich.

Sie gelten als der unbekannteste und vielleicht auch überflüssigste Bundesminister. Stört Sie das?

Ohne Landwirtschaft würden zwei Drittel unserer Landschaft brach liegen. Ich bin bei denen, für die es wichtig ist, sehr gut bekannt.