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Schwuler Schiedsrichter Dincdag erhält Morddrohungen

Halil Ibrahim Dincdag, schwuler türkischer Fußball-Schiedsrichter, erhält auch sechs Jahre nach seinem ungewollten Outing massive Morddrohungen von seinen Landsleuten.

"In den Briefen steht, dass ich mit meinem Coming-out den Ruf der Türkei beschädigt hätte, dass ich das Land verlassen solle und dass sie mich ansonsten töten würden", sagt der 38-Jährige in einem Interview mit dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören. Dincdag war Anfang 2009 in einer türkischen Zeitung als schwul geoutet worden. "Ich dachte: Das war's. Das Leben von Halil Ibrahim Dincdag ist vorbei. Ich bin tot", sagt Dincdag in dem Interview.

Der türkische Fußballverband hatte den damaligen Zweitliga-Schiedsrichter Dincdag im Frühjahr 2009 gesperrt und vertrauliche Akten, in denen seine Homosexualität als "psychosexuelle Störung" festgehalten wurde, an mehrere türkische Zeitungsredaktionen gegeben. Dincdag verklagt den Verband deshalb auf Schadenersatz und Schmerzensgeld. Am Freitag steht erneut ein Verhandlungstag an. "Die Beweislage ist eindeutig. Aber der Verband versucht alles, das Verfahren in die Länge zu ziehen."

Für Dincdag hat sich das Leben nach Bekanntwerden seiner Homosexualität dramatisch verändert: Er hat seinen Job als Radiomoderator verloren und musste seine Heimatstadt Trabzon verlassen – auch wegen der vielen Drohbriefe. Aufgeben will er trotzdem nicht. "Ich kämpfe für mein Recht!" Für diesen Kampf ist er unter anderem im November 2014 in Berlin mit dem Respektpreis des Bündnisses gegen Homophobie ausgezeichnet worden. Dincdag will nun in die Politik wechseln. Er sagt: "Es wird Zeit, den Kampf gegen Homophobie ins türkische Parlament zu bringen."