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Sparwasser: Mein Tor war der Anfang vom Ende

1974 schrieb Jürgen Sparwasser mit seinem Siegtreffer für die DDR im WM-Spiel gegen die BRD Sportgeschichte. In der Interviewreihe "Diese eine Sekunde" des RedaktionsNetzwerks Deutschland spricht der 68-Jährige darüber, wie dieses Tor sein Leben veränderte.

"Dieses Tor gegen die BRD war der Anfang vom Ende. Meinem Ende in der DDR. Weil viele gegen das Regime waren, wurde der Hass nach dem Tor noch größer und entlud sich an mir. Mein Tor wurde jahrelang in unserer Fernsehsendung "Sport aktuell" gezeigt. Als Provokation gegen den Westen. Der Vater eines Kumpels hat einen Stuhl in den Fernseher geschmissen", verrät Sparwasser dem RedaktionsNetzwerk Deutschland, dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören. "Nach dem Spiel wurde ich zum ersten Mal bestraft. Wir wollten zu dritt auf die Reeperbahn, baten einen vom Bundesgrenzschutz, uns reinzufahren nach Hamburg. Er sagte: Die beiden anderen schon, du nicht. Wenn dich jemand erkennt, bin ich meinen Job los …"

Am Tag nach dem 1:0 im Vorrundenspiel gab es einen Bombenalarm. Im Flugzeug saß neben Sparwassers Mitspieler Hans-Jürgen Kreische BRD-Verteidigungsminister Hans Apel. Sparwasser verrät dem RND heute: "Hans-Jürgen erkannte ihn nicht. Als Apel ihm eine Whisky-Wette über fünf Flaschen anbot, dass Westdeutschland Weltmeister wird, rief er: 'Wo soll ich die denn hernehmen?' Zu Hause kamen auf einmal fünf Flaschen an. Das war Kreisches Ende – eine Wette mit dem feindlichen Verteidigungsminister. Nach 30 Jahren erst hat er, einer meiner besten Freunde, erzählt, dass der Whisky der Grund war, warum er nicht zu den Olympischen Spielen 1976 durfte."

Heute lebt Sparwasser (68) nördlich von Frankfurt. "Meine Tochter Silke wohnt fünf Kilometer weit weg, hat einen Bahnhof gekauft. Mein Enkel Philipp arbeitet für eine US-Firma, die mit der Telekom Geschäfte macht. Was willste mehr?" Sparwasser hat zwei Bücher geschrieben – mit Übungen für Trainingseinheiten im Fußball. Bald eröffnet er in Alzenau-Hörstein eine Fußballschule.