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Türkische Gemeinde: Deutschtürken werden in der Armeniendebatte übergangen

Die Türkische Gemeinde in Deutschland beklagt eine mangelnde Sensibilität deutscher Parlamentarier gegenüber den Deutschtürken.

„Der fast einstimmige Beschluss zur Armenien-Resolution missachtet die Meinung der Türkeistämmigen in Deutschland“, sagt ihr Vorsitzender Gökay Sofuoglu dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „80 Prozent der Deutschtürken sind gegen die Armenien-Resolution und fordern statt einer Verurteilung eine kritische historische Aufarbeitung der Geschehnisse vor 100 Jahren.“

Nach dem Versagen des Staates bei der Aufklärung der NSU-Morde liefere die Armenien-Resolution einen weiteren Anlass zu Misstrauen gegenüber Politik und Behörden in Deutschland. „Bei vielen Deutschtürken herrscht die Meinung vor: Die Deutschen wollen uns zeigen, dass wir Enkel von Mördern sind“, sagte Sofuoglu. Besonders groß sei die Enttäuschung darüber, dass kein türkeistämmiger Abgeordneter die Resolution, die die im Osmanischen Reich verübten Massaker an den Armeniern als Völkermord einstuft, abgelehnt hat.

In der Auseinandersetzung zwischen der türkischen Regierung und deutschen Parlamentariern gerieten die Deutschtürken zunehmend zwischen die Fronten. „Der Streit wird auf dem Rücken der Deutschtürken ausgetragen“, sagte Sofuoglu gegenüber dem RND und warnte vor möglichen Folgen: „Womöglich werden sich bald die Landesregierungen der Armenien-Frage annehmen und sie zum Teil des Geschichtsunterrichts machen wollen. Die Resolution birgt viel Konfliktpotenzial.“