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Zahl der Quallen in den Meeren steigt

Die Zahl der Quallen in Nord- und Ostsee ist stark gestiegen. Experten fürchten auch eine Ausbreitung seltener, für den Menschen gefährlicher Arten.

Die Zahl der Quallen in Nord- und Ostsee ist ungewöhnlich angestiegen. An Deutschlands Küsten seien derzeit drei- bis fünfmal so viele Quallen zu beobachten wie zu Beginn der Neunzigerjahre, sagte die Biologin Jamileh Javid vom Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND), dem mehr als 30 Tageszeitungen angehören.

Auch im Mittelmeer zählen Experten mehr Quallen denn je. „Weil eine Quallenplage die Touristen verschreckt, gehen nicht alle Länder offen damit um“, sagte der italienische Meeresbiologe Stefano Piraino dem RND. „Die Quallen zu zählen, ist keine einfache Aufgabe. Aber dass es im Mittelmeer immer mehr davon gibt, ist eine Tatsache.“ Auch für das Japanische Meer sei die Zunahme klar dokumentiert. Die dort lebende Riesenqualle sei früher nur alle zehn bis 15 Jahre massenhaft aufgetreten. Heute komme es alle ein bis zwei Jahre zu einer sogenannten Blüte dieser eher seltenen Art.

Vor England erschraken Fischer im Mai dieses Jahres, als sie auf Quallen vom Typ „Barrel Jellyfish“ stießen; die Tiere hatten einen Durchmesser von eineinhalb Metern erreicht. Bereits vor zwei Jahren hatten Massen von harmlosen Ohrenquallen die Kühlungssysteme des schwedischen Atomkraftwerks Oskarshamn an der Ostsee verstopft; der Reaktor musste vom Netz gehen.

Nach Ansicht von Biologen drohen Schwimmern auch häufiger als bisher Begegnungen mit giftigen Quallen. Der letzte tödliche Zwischenfall liegt erst rund zwei Wochen zurück: In der Nacht zum 1. August starb eine 31-jährige Schwimmerin am Strand der thailändischen Insel Koh Phangan. Sie war in Kontakt mit der sogenannten Würfelqualle geraten, die zu den giftigsten Lebewesen auf dem Planeten zählt.

Erst im vorigen Jahr starb auf der Insel ein fünf Jahre alter Junge aus Frankreich, der einer Würfelqualle zu nahe gekommen war. In einer konzertierten Aktion wollen jetzt Hoteliers und Behörden in ganz Thailand die Überwachung der Strände verstärken – zumal die gefährlichsten Arten mittlerweile auch an Stellen auftauchen, an denen sie früher nicht waren.

Nach Ansicht von Biologen tragen die Menschen eine Mitverantwortung für die Ausbreitung der Quallen. Weil die Meere oft überfischt seien, fehlten den Quallen die natürlichen Feinde. Zudem begünstige der Klimawandel einen Vormarsch giftiger Arten wie der Portugiesischen Galeere Richtung Norden. Dabei helfe den Quallen der  Suezkanal, dessen Verbreiterung die ägyptische Regierung Anfang August als große Errungenschaft gefeiert hatte; Biologen aus aller Welt hatten die Verbreiterung scharf kritisiert.