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Millionenrisiken bei neuer Gesundheitskarte

Erst zwei Prozent der rund 200 000 deutschen Praxen und Kliniken erfüllen die technischen Voraussetzungen für die Umstellung auf die elektronische Gesundheitskarte. „Der derzeitige Installationsstand beträgt bundesweit circa 4000 Praxen, davon 1900 Zahnarztpraxen“, heißt es in einem Positionspapier der Kassenzahnärtlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KZVWL), aus dem die Zeitungen des RedaktionsNetzwerks Deutschland (RND), zitieren.

Hauptgrund für die Zurückhaltung sei ein Streit um die Finanzierung der neuen Technik. Die bisherige Finanzierungsvereinbarung zwischen Ärzten und Kassen sieht vor, dass Praxen nur dann die vollen Anschaffungskosten in Höhe von 3245 Euro zurückbekommen, wenn sie bis Ende Juni die neue Telematikinfrastruktur installiert haben. Schaffen sie dies nicht, erhalten sie ab Juli nur noch einen Ausgleich in Höhe von 2055 Euro. „Da sich die Angebote der Zugangsdienstleister nicht ändern werden, entsteht jeder Praxis ab dem 3. Quartal 2018 mindestens ein Verlust in Höhe von 1190 Euro“, warnt die KZVWL.

Bundesweit könnten dadurch für Ärzte und Kliniken Verluste von mehr als 200 Millionen Euro entstehen. Bislang gebe es mit der CompuGroup Medical (CGM) nur einen einzigen Anbieter für das digitale Herzstück der Anlage, den Konnektor. Dessen Speicher sei aber zu klein für Anwendungen wie den elektronischen Arztbrief oder den digitalen Medikationsplan, die ab 2019 verbindlich vorgeschrieben seien. „Es ist völlig unrealistisch anzunehmen, dass es dem einzigen Anbieter gelingen könnte, alle Praxen bundesweit im 2. Quartal 2018 anzuschließen, selbst wenn durch alle Praxen bis zu diesem Zeitpunkt eine Beauftragung stattgefunden hat.“ Durch den notwendigen Austausch der angeblich zu kleinen Speicher entstehe ein weiterer „Kostenblock von 113 Millionen Euro, der bisher im Gesundheitswesen nicht abgedeckt ist“, heißt es weiter.

Die Kassenärztliche Bundesvereinigung rät ihren Mitgliedern, nicht voreilig die neue Technik anzuschaffen. Sie fordert die Krankenkassen auf, die geltende Finanzierungsvereinbarung um ein Jahr bis Mitte 2019 zu verlängern.