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Statistik-Professor: Offizielle Armutsstatistik ist „unseriös und schwachsinnig“

Anlässlich des Armutsberichtes, den der Paritätische Wohlfahrtsverband und andere Sozialverbände am Donnerstag in Berlin vorstellen, übt Walter Krämer, Professor für Wirtschafts- und Sozialstatistik, scharfe Kritik an der offiziellen Armutsstatistik.

„Wie in Deutschland von offizieller Seite Armut gemessen wird, ist unseriös und schwachsinnig“, sagte Krämer dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Niemand, der sich ernsthaft mit dem Thema befasst, nimmt die offizielle Statistik noch ernst“, fügte der renommierte Wissenschaftler der Technischen Universität Dortmund hinzu.

Wer seriös herausfinden wolle, wie sich Armut entwickele, müsse sie an Notlagen festmachen, betonte Krämer. „Mit bloßen Prozentwerten, die sich am allgemeinen Einkommen orientieren, kommt man nicht weiter.“ Man müsse Bedarfe festlegen, Warenkörbe erstellen und alles regelmäßig aktualisieren.  „Das ist anstrengend und aufwendig, schon deswegen macht das keiner“, kritisierte  Krämer.

Den Wohlfahrtsverbänden warf der Statistikexperte vor, kein Interesse an der tatsächlichen Armutsentwicklung in Deutschland zu haben. „Die Wohlfahrtsverbände wissen genau, warum sie keine seröse Armutsstatistik wollen“, sagte Krämer. „Dabei käme nämlich heraus, dass Armut seit Jahren sinkt.“