English
Menü

DFB-Boss Grindel über Gewalttäter, Videobeweise, Ablöseirrsinn

Im Interview mit dem Sportbuzzer spricht DFB-Boss Reinhard Grindel exklusiv über Gewalttäter, Videobeweise, Ablöseirrsinn, Scheichs – und das Sommermärchen.

DFB-Präsident Reinhard Grindel sprach im Interview mit dem Portal Sportbuzzer über … 
… den Videobeweis: „Ich bin insgesamt ganz zufrieden mit den ersten beiden Spieltagen. Womit wir bisher nicht zufrieden sein können: mit der technischen Umsetzung. Hier gibt es noch Kinderkrankheiten, die auskuriert werden müssen. Nach dem zehnten, zwölften Spieltag wird sich alles gut eingespielt haben.“ 
… die Ablösesummen: „Natürlich stellt man sich die Frage: Wohin soll das führen? Wir müssen schauen, ob wir neue Leitplanken brauchen, mit denen diese exorbitanten Summen begrenzt werden. Das werden wir nach Ende der Transferperiode analysieren.“
… die Kommerzialisierung: „Wir müssen aufpassen, die Schraube nicht zu überdrehen. Hinsichtlich der Trikots sehe ich bei 100 Euro eine psychologische Grenze. Ich bin gespannt, wie lange sie hält. Ich hoffe, sie hält lange.“ 
… Straftäter im Fußball: „Bei Gewalttätern brauchen wir auch die Unterstützung von Polizei und Ordnungsbehörden. Es gibt solche Rädelsführer, die polizeilich bekannt sind. Warum wird dann nicht mehr mit Meldeauflagen gearbeitet? Wieso sagt man ihnen nicht: Ihr meldet euch an einem Spieltag um 15 Uhr, um 16 Uhr und um 17 Uhr bei eurer Polizeidienststelle – wenn nicht, werdet ihr zur Fahndung ausgeschrieben. Das wäre eine Maßnahme, die im Vorfeld wirken könnte.“  
… 50+1: „Es ist nicht wie in England oder Italien, wo sich Privatpersonen einen Verein kaufen können – das wollen wir verhindern! Wir wollen nicht, dass ein Scheich kommt, sich drei Jahre engagierz und sich dann doch lieber um seine Kamele oder Zuchtfalken kümmert. Dann würde alles wieder zusammenbrechen. Wir wollen Kontinuität und Nachhaltigkeit.“  
… das unter Manipulationsverdacht geratene Sommermärchen: „Die Akte ist nicht geschlossen, es wird noch ermittelt. Wir als Verband haben versucht, den Fluss des Geldes aufzuklären. Wir wissen, wo die 6,7 Millionen geblieben sind: bei bin Hammam (ehemaliger Fifa-Fußballfunktionär aus Katar, d. Red.). Was aber bin Hammam mit den 6,7 Millionen. gemacht hat, kann die von uns beauftragte Kanzlei Freshfields nicht ermitteln – sie kann bin Hammam nicht zum Reden zwingen. Was wir aufklären konnten, ist aus unserer Sicht aufgeklärt. Was dazukommen muss, sind die Ermittlungsmöglichkeiten der Staatsanwaltschaften: Durchsuchungen, Beschlagnahmung von Kontobewegungen. Wir wissen zum Beispiel, dass von den 6,7 Millionen Euro ein beachtlicher Teil zu Fedor Radmann (Berater des WM-Organisationskomitees 2006, d. Red.) zurückgeflossen ist. Ich hoffe sehr, dass die staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen weitere Aufklärung bringen werden. Und ich hoffe, noch dieses Jahr nach Katar fliegen zu können, um dort mit Vertretern der Regierung zu reden, zu fragen, ob sie Möglichkeiten sehen, dass Herr bin Hammam doch noch Auskunft gibt.“