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DIHK erwartet Einbruch des deutschen Türkei-Handels

Als Folge der Eskalation im deutsch-türkischen Verhältnis rechnet der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) mit einem spürbaren Einbruch im Handel zwischen Deutschland und der Türkei.

„Der Handel mit der Türkei ist seit Mitte 2016 ohnehin auf abschüssigem Terrain. Aufgrund der jüngsten Zuspitzung der politischen Spannungen ist sogar mit einem Handelsrückgang von mehr als 10 Prozent zu rechnen“, sagte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Deutschland ist für die Türkei der wichtigste Handelspartner. Der Warenaustausch zwischen beiden Ländern macht ein Zehntel des türkischen Handelsvolumens aus.

„Die Verunsicherung vieler deutscher Unternehmen ist seit dem gescheiterten Putschversuch deutlich zu spüren. Die aktuelle Entwicklung steigert diese Verunsicherung erheblich“, sagte dazu DIHK-Mann Treier. „In einem solchen Umfeld ist an Neuinvestitionen deutscher Unternehmen in der Türkei kaum zu denken“, so der Experte. „Die Einschränkung von Exportkreditversicherungen und Investitionsgarantien würden die Investitionszurückhaltung deutscher Unternehmen jetzt noch bestärken.“

Nach Angaben der deutsch-türkischen Außenhandelskammer sind derzeit mehr als 6.800 deutsche Unternehmen in der Türkei engagiert. Die Türkei ist ein für die deutsche Wirtschaft bedeutender Abnehmer von Automobilen und Kfz-Zubehör. Darüber hinaus liefert Deutschland alle klassischen Industrieprodukte und pflegt auch in der Textilbranche einen intensiven Austausch. 2016 exportierte die deutsche Wirtschaft Güter im Wert von rund 22 Mrd. Euro in die Türkei.

Als Reaktion auf die Inhaftierung des deutschen Menschenrechtlers Peter Steudtner hatte Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) eine Neuausrichtung der deutschen Türkei-Politik angekündigt. Unter anderem stellte Gabriel die staatliche Absicherung von Türkei-Geschäften der deutschen Wirtschaft durch sogenannte Hermes-Bürgschaften auf den Prüfstand. Laut Gabriel ist die Türkei kein sicherer Investitionsstandort für deutsche Unternehmen mehr.

Der stellvertretende SPD-Vorsitzdende Ralf Stegner verschärfte in der Türkei-Politik die Kritik an Bundeskanzlerin Merkel. „Angela Merkels Strategie des Schweigens gegenüber Erdogan ist gescheitert“ “, sagte SPD Stegner im Interview mit dem RND. „Deutschland darf nicht erpressbar sein, egal wie nonchalant sich Frau Merkel durchmogeln will“.