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NDR-Hörfunkchef: „Umstieg auf digitales Radio dauert zehn Jahre“

Bis zur bundesweiten Abschaltung des UKW-Radios und zur Einführung des neuen Digitalradio-Standards DAB+ wird nach Einschätzung von Joachim Knuth noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen.

„Wenn wir in den nächsten vier Jahren die Weichen insofern gestellt haben, dass DAB+ nicht mehr aufzuhalten ist – dann denke ich, dass der Umstieg etwa zehn Jahre dauern wird“, sagte der Hörfunkdirektor des Norddeutschen Rundfunks (NDR), dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). Knuth sieht die Zukunft des Mediums nicht allein im Internet. Das Radio brauche „auch in digitalen Zeiten einen eigenen, medienspezifischen Ausspielkanal“. Ein Grund sei die Informationssicherheit im Krisenfall: „Die digitale terrestrische Versorgung ist zum Beispiel in Krisenzeiten sehr robust, wenn viele auf ihr Radio zurückgreifen“, sagte er. Er rechne damit, dass es bis 2025 in Deutschland ein geschlossenes DAB+-Netz geben werde.  

Der digitale Radiostandard DAB+ soll nach dem Willen der ARD das analoge UKW-Netz ersetzen und ist seit Jahren umstritten. UKW könne frühestens abgeschaltet werden, wenn mindestens 80 Prozent der Haushalte über ein DAB+-taugliches Empfangsgerät verfügten, sagte Knuth. Bundesweit sind es derzeit etwa zehn Prozent. Die Gesamtkosten für die Umstellung betragen nach einer Schätzung der Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) knapp 600 Millionen Euro. Die ARD darf bis 2020 rund 90 Millionen Euro für die Digitalisierung des Radios ausgeben.

Kritiker halten DAB+ für eine Übergangstechnologie und rechnen damit, dass das klassische analoge Radio mittelfristig durch das Internet abgelöst wird. 150 Millionen UKW-Empfänger und fast alle Geräte, die den Vorgängerstandard DAB empfangen konnten, werden mit DAB+ unbrauchbar. Private Rundfunkanbieter haben bisher vor allem aus Kostengründen kein großes Interesse an DAB+. Knuth hält es für nicht ausgeschlossen, dass DAB+ am mangelnden Kundenwillen noch scheitern kann. „Viele Szenarien sind im Moment denkbar, aber ich hoffe sehr, dass DAB+ sich am Ende durchsetzt.“