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Schlepper weichen auf den Seeweg von der Türkei nach Italien aus

Schlepper konzentrieren sich bei der illegalen Migration in die EU wieder verstärkt auf den direkten Seeweg zwischen der Türkei und Italien. „Seit Mitte des Jahres 2016 stieg die Anzahl der festgestellten Schleusungen auf dem Seeweg aus der Türkei deutlich an“, heißt es in einem Bericht des Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrums Illegale Migration (GASIM).

Der als Verschlusssache deklarierte zwölfseitige Report 04/2017 liegt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) vor. 2016 gelangten demnach 3846 Migranten in 59 Schiffen über den Seeweg aus der Türkei nach Italien, davon 88 Prozent im zweiten Halbjahr. 2015 waren es 2741. Überwiegend habe es sich um Segelboote gehandelt, die von ukrainischen Schleusern eingesetzt worden seien. Bei den illegalen Migranten habe es sich vorwiegend um Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak sowie aus Afghanistan gehandelt. Als Gründe für den sich verlagernden Flüchtlingsstrom nennen die Experten den seit März 2016 geltenden Flüchtlingspakt zwischen der EU und der Türkei sowie das Abriegeln der Balkanroute.

Im vergangenen Januar registrierte Italien laut Report 4292 Seeanlandungen von illegalen Migranten in Italien, davon allein 35 Abfahrten auf der Route aus Libyen. In Griechenland waren es im Vergleichszeitraum 1099.

Der Bericht beleuchtet auch ein bislang unbekanntes Phänomen: Einschleusungen auf Güterzügen aus Ungarn. Seit der Intensivierung der ungarischen Grenzsicherungen ab Herbst 2015 griffen ungarische Behörden 1039 Migranten allein am serbischen Grenzübergang Kelebia auf – ausschließlich Männer mit afghanischer Herkunft.

Am Gemeinsamen Analyse- und Strategiezentrum sind unter anderem die Bundespolizei, das Bundeskriminalamt, das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, der Bundesnachrichtendienst sowie das Bundesamt für Verfassungsschutz  beteiligt.