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Türkische Gemeinde: Deutschland versagt bei Aufklärung der NSU-Morde

Die Türkische Gemeinde in Deutschland beklagt eine unzureichende Aufklärung der vom „Nationalsozialistischen Untergrund“ begangenen Morde.

„In den fünf Jahren seit der Aufdeckung des NSU hat Deutschland viel zu wenig getan, um die Verbrechen aufzuklären und den Opfern des NSU und ihren Familien Gerechtigkeit widerfahren zu lassen“, sagte Gökoay Sofuoglu, der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND). „Die von Kanzlerin Merkel gegenüber den Opferfamilien versprochene ,lückenlose Aufklärung‘ ist nur zu einem geringen Teil erbracht worden“, sagte Sofuoglu und forderte eine „umfangreiche und  selbstkritische“ Prüfung der Rolle des Verfassungsschutzes und seiner V-Leute.

„Nur wenn der Staat zugibt, dass er Fehler begangen hat, kann er verloren gegangenes Vertrauen zurückgewinnen“, sagte Sofuoglu und verwies auf ein tief sitzendes Misstrauen bei vielen Türken in Deutschland. „Wenn Türken hierzulande Opfer eines Verbrechens werden, glaubt kaum jemand an dessen Auflösung. Türken fühlen sich vom deutschen Staat nicht ausreichend geschützt, weil er bei der Aufklärung der NSU-Morde versagt.“

Vom NSU-Prozess gegen die Hauptangeklagte Beate Zschäpe am Münchner Oberlandesgericht erhofft sich Sofuoglu keine Aufklärung: „Der NSU-Prozess ist vor allem mit Ermittlungspannen verbunden. Und wer hofft, dass Zschäpe auspackt, hofft vergebens “, sagte Sofuoglu.

Am 4. November 2011 waren die Neonazi-Terroristen des NSU aufgeflogen. Das Trio mit Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hatte jahrelang unentdeckt in Zwickau gelebt. Dem NSU werden unter anderem zehn Morde an Menschen mit meist türkischen Wurzeln und einer Polizistin angelastet. Böhnhardt und Mundlos begingen Selbstmord, Zschäpe steht derzeit in München vor Gericht.