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„Privat und gesetzlich Versicherte müssen gleich schnell Arzttermine bekommen”

Der künftige Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) will konsequent gegen „Zwei-Klassen-Medizin” in Deutschland vorgehen. „Beim Arzt haben die Menschen das Gefühl, es gibt zwei Klassen bei der Terminvergabe”, sagte Spahn dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND/Dienstagausgaben).

„Die ausreichende Versorgung mit Ärzten ist ein Problem, das wir sowohl auf dem Land als auch in manchen Stadtteilen angehen müssen.” Wer die Akzeptanz des Gesundheitssystems verbessern wolle, müsse dieses Problem lösen. „Privat und gesetzlich Versicherte müssen in Zukunft gleich schnell einen Arzttermin bekommen können. Das ist eine große Herausforderung”, sagte Spahn.

Der CDU-Politiker kündigte an, „in einem ersten Schritt” sollten die Terminservicestellen weiter ausgebaut werden, damit die Patienten einen Ansprechpartner hätten. „Wir müssen auch, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, über die Vergütungen der Ärzte für Kassenpatienten sprechen. Und wir brauchen mehr Ärzte”, sagte Spahn. „Es braucht ein Bündel an Maßnahmen, damit der nachvollziehbare Eindruck von vielen Kassenpatienten, privat Versicherte seien besser dran, verschwindet.”

Wer als Versicherter teils sehr hohe Beiträge zahle, müsse dafür auch etwas zurückbekommen. „Dazu gehört eine gute medizinische Versorgung mit ausreichend Sprechzeiten über die Woche”, sagte der designierte Gesundheitsminister. „Akzeptanz für das duale System werden wir nur bekommen, wenn der Eindruck von Zwei-Klassen-Medizin vermieden wird.”

 

Die Interview-Passage im Wortlaut:

RND: Hat Deutschland ein Problem mit Zwei-Klassen-Medizin?

Spahn: Beim Arzt haben die Menschen das Gefühl, es gibt zwei Klassen bei der Terminvergabe. Die ausreichende Versorgung mit Ärzten ist ein Problem, das wir sowohl auf dem Land als auch in manchen Stadtteilen angehen müssen. Wenn wir die Akzeptanz des Gesundheitssystems verbessern wollen, müssen wir dieses Problem lösen. Privat und gesetzlich Versicherte müssen in Zukunft gleich schnell einen Arzttermin bekommen können. Das ist eine große Herausforderung.

RND: Wie wollen Sie dieses Ziel erreichen?

Spahn: In einem ersten Schritt sollten wir die Terminservicestellen weiter ausbauen, damit die Patienten einen Ansprechpartner haben. Wir müssen auch, wie im Koalitionsvertrag vereinbart, über die Vergütungen der Ärzte für Kassenpatienten sprechen. Und wir brauchen mehr Ärzte. Es braucht ein Bündel an Maßnahmen, damit der nachvollziehbare Eindruck von vielen Kassenpatienten, privat Versicherte seien besser dran, verschwindet.

 

RND: Die Ärzte sind alles andere als begeistert über die Koalitionspläne, dass es künftig pro Woche mindestens 25 Stunden Sprechstunde für Kassenpatienten geben muss. Was entgegnen Sie?

Spahn: Kein Mediziner in Deutschland wird gezwungen, Kassenpatienten zu behandeln. Es ist eine freie Entscheidung, Vertragsarzt zu werden. Daran sind Bedingungen geknüpft. Wer als Versicherter teils sehr hohe Beiträge zahlt, muss dafür auch etwas zurückbekommen. Dazu gehört eine gute medizinische Versorgung mit ausreichend Sprechzeiten über die Woche. Akzeptanz für das duale System werden wir nur bekommen, wenn der Eindruck von Zwei-Klassen-Medizin vermieden wird.